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Kirchenhistoriker: Pius XII. kannte wichtiges Schreiben zum Holocaust

Recherche in Vatikan-Archiven : Pius XII. kannte wichtiges Schreiben zum Holocaust

Durch Recherchen in lange geheimen Archiven des Vatikans sind deutsche Kirchenhistoriker zu dem Schluss gekommen, dass Papst Pius XII. ein wichtiges Schreiben über den Holocaust kannte. Seit März haben die Wissenschaftler Zugang zu den Archiven.

Neue Aktenfunde aus dem Vatikan zeigen nach Einschätzung deutscher Kirchenhistoriker, dass Papst Pius XII. ein wichtiges US-Schreiben über die Gräueltaten im Holocaust kannte. Das berichtet eine Gruppe von Forschern um Hubert Wolf in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Die Wissenschaftler sichten – ähnlich wie andere internationale Wissenschaftler – seit März Dokumente in den lange geheimen Archiven des Vatikans in Rom.

Mehr als 60 Jahre nach dem Tod von Pius XII. hat der Vatikan seine Archive aus der Zeit des historisch umstrittenen Weltkriegspapstes Anfang März geöffnet. Eine der Forschungsfragen ist, warum der Papst nicht deutlicher gegen den Holocaust protestiert hatte.

Wie die Forscher in der „Zeit“ schreiben, legten Mitarbeiter Papst Pius XII. im September 1942 einen Bericht des amerikanischen Botschafters beim Vatikan, Myron Charles Taylor, über die Morde der Deutschen an Juden vor. Das belegten Recherchen des Teams, auch wenn der Schreiben selbst lange bekannt gewesen sei. Konkret habe das Kirchenoberhaupt in dem Bericht etwa von der Verschleppung Hunderttausender in deutsche Konzentrationslager, von Massenhinrichtungen sowie Massakern in Ostpolen erfahren. US-Präsident Franklin D. Roosevelt habe den Auftrag erteilt, den Papst zu informieren und um einen öffentlichen Protest zu bitten. „Erst jetzt ist klar, dass der Papst persönlich Einblick in das Schreiben nahm“, heißt es in der „Zeit“.

Die Amerikaner hätten den Papst um Bestätigung der Schreckensberichte gebeten. Historiker Wolf und sein Team legen dazu dar, dass der Vatikan seine eigenen Informationen aus dieser Zeit über den Holocaust nicht weitergereicht habe. Auch ein Protest sei unterblieben. Mit Blick auf die Gründe gebe es weiter Fragen.

(c-st/dpa)