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Kolumne "Gott und die Welt": Corona und die vergessenen Flüchtlinge

In der Corona-Krise : Die vergessenen Flüchtlinge

Trotz unserer eigenen Sorgen müssen wir weiter an Hilfe für andere denken.

Wir alle sind in diesen Tagen voller Sorgen. Plötzlich ist vieles bedroht: die eigene Gesundheit, die der Familie und der Freunde. Das technische Wort „Kontaktverbot“ ist in unser Vokabular getreten, hinter dem sich die Isolation und unbegreifliche Einsamkeit besonders älterer Menschen verbergen. Die Angst um den Arbeitsplatz geht um und macht jene Zukunft wieder zu einer unsicheren Angelegenheit, die für viele von uns gesichert zu sein schien.

Die Sorgen der vielen sind eine Bewährungsprobe für das, was wir im Kleinen Gemeinschaft und soziologisch Gesellschaft nennen. Diese scheint – bis auf die absurden Hamsterkäufe – weiter zu funktionieren: mit der Balkonmusik um sechs und dem Applaus fürs Pflegepersonal, mit den Kirchenglocken, den kleinen Rücksichtnahmen und vielen Nachbarschaftshilfen. Das alles ist richtig und tut gut. Und doch bleibt die Sorge zu oft begrenzt auf jene, die der Gemeinschaft angehören. Notlagen haben schon immer Gesellschaften gestärkt, aber eben nur diese. Fast vergessen hatten wir darüber die Not der Flüchtlinge vor allem in den großen Lagern. Mit dem Virus werden diese Camps für die körperlich ohnehin geschwächten Menschen zu verhängnisvollen Fallen. Was Schutz versprach, wird zur Bedrohung. Die richtige Hilfe wäre jetzt eine schnelle Verteilung der Menschen auf die Länder Europas und unsere Städte. Wir, die wir auf die Menschenrechte weltweit pochen, müssen uns fragen, ob genau diese Rechte im Ernstfall an den Grenzen ihr Ende finden. Hängt die Würde der Menschen von ihrer Staatsangehörigkeit ab?

Es gibt ein „Recht auf Rechte“, schrieb die jüdische Philosophin Hannah Arendt. Das ist eine Weltformel geworden, die bis heute nicht eingelöst ist. Hilfe fällt in guten Zeiten leichter. Sie ist in schweren Zeiten nötiger.

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