Pascal-Prozess: Angeklagter wirft Polizei Nötigung vor

Pascal-Prozess: Angeklagter wirft Polizei Nötigung vor

Saarbrücken (rpo). Neue Vorwürfe im Prozess um den mutmaßlichen Mord an dem fünfjährigen Pascal aus Saarbrücken. Doch diesmal sind es Vorwürfe gegen die Polizei. Einer der 13 Angeklagten hat die Methoden der Beamten scharf kritisiert. Er spricht von Nötigung.

Der wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch angeklagte 49-jährige Horst K. präsentierte vor dem Saarbrücker Landgericht überraschend ein Alibi. Er erklärte, die Kriminalbeamten hätten ihn bei der Vernehmung massiv unter Druck gesetzt, ihn sogar auf Stirn und Nacken geschlagen und "alles in den Mund gelegt".

Unter diesem Druck habe er damals seine Aussagen zur angeblichen Vergewaltigung und Tötung von Pascal in der "Tosa-Klause" gemacht, sagte Horst K., der bisher im Prozess geschwiegen hatte. Die Kriminalbeamten hätten ihm Stichworte vorgegeben. "Wahrheit, das war das, was die Beamten hören wollten", gab der Angeklagte vor Gericht zu Protokoll. Er habe sich bei seiner Vernehmung im Februar 2003 gar nicht mehr an den 30. September 2001 erinnern können. Aus Angst, ins Gefängnis zu kommen, habe er gesagt, "was die Beamten hören wollten".

Sein Anwalt Clemens Schug teilte mit, laut Attest habe der Angeklagte am 30. September 2001, dem Tag, an dem Pascal spurlos verschwand, stationär im Krankenhaus gelegen.

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Der seit 20. September laufende Prozess war drei Wochen unterbrochen worden, nachdem einer der Hauptangeklagten einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Nach Angaben des psychiatrischen Gutachters Michael Rösler hatte der wegen Mordes angeklagte Martin R. vorübergehend an Verfolgungswahn gelitten. "Er wollte sich umbringen, weil er der Meinung war, dass man ihn umbringen will", sagte der Psychiater vor Gericht. Der 42-Jährige hatte vor drei Wochen versucht, sich mit einer Rasierklinge die Pulsadern aufzuschneiden, ist mittlerweile aber wieder verhandlungsfähig.

In dem Prozess müssen sich neun Männer und vier Frauen wegen gemeinschaftlichen Mordes und sexuellen Missbrauchs beziehungsweise wegen Beihilfe zu diesen Straftaten verantworten. Laut Anklage wurde Pascal am 30. September 2001 im Hinterzimmer der "Tosa-Klause" von mindestens vier Männern vergewaltigt und anschließend mit einem Kissen erstickt. Seine Leiche wurde nie gefunden. Bislang hatten nur drei Angeklagte zu den Vorgängen in der Kneipe ausgesagt und die Anklage teilweise bestätigt. Zwei Angeklagte sind mittlerweile auf freiem Fuß.

(ap)
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