„Wetten, dass...?“ als Musikshow: Granate Beth Ditto trifft auf Küken Lena

„Wetten, dass...?“ als Musikshow: Granate Beth Ditto trifft auf Küken Lena

Düsseldorf (RPO). Lena Meyer-Landrut wirkte zunächst unbeeindruckt von der großen Samstagabendshow. Bei "Wetten, dass...?" plauderte die 18-Jährige, die für Deutschland beim "Eurovision Song Contest" antreten wird, locker mit Thomas Gottschalk. Doch der wirkliche Star des Abends war die quirlige Sängerin Beth Ditto.

Nachwuchs-Star Lena war eigentlich das Zugpferd für "Wetten, dass...?". Doch Beth Ditto, die mit ihrer Band "Gossip" einen grandiosen Auftritt hingelegt hatte, brachte gegen 22 Uhr endlich richtig Schwung auf die Couch. Sie flirtete mit Lena, riet Gottschalk, doch zuzunehmen und war in ihrem silbernen futuristischen Kleid einfach der Hammer. Während die opulente Stil-Ikone wie ein Sturm über die Show hinwegfegte, war Lena zumindest ein frischer Windhauch.

Die 18-Jährige nahm kein Blatt vor den Mund. Gottschalk hatte Anna Netrebko angekündigt und fragte Lena, ob sie Respekt vor großen Opernsängerinnen habe. Sie antwortete kess: "Überhaupt nicht. Finde ich zum Kotzen" - um dann, wohl selbst ein bisschen erschrocken, nachzuschießen. "Nein, nein, natürlich nicht,...". Da dürfte manch älterem Zuschauer die Salzstange aus der Hand gefallen sein.

Die Show in Salzburg, soviel wollte Thomas Gottschalk gleich zu Beginn klar machen, sollte alles andere als Mittelmaß werden. Michelle Hunziker rauschte als Sissi in bodenlanger Robe in den Saal, später machte sie in einem rosa Rauschekleid auf Operetten-Star. Der Showmaster selbst trug Fliege und kündigte schonmal klassische Musik und tolle Gäste an. Gottschalk wollte ganz bewusst ein Kontrastprogramm setzen — sicher auch gegen "Deutschland sucht den Superstar", der Castingshow auf RTL.

Die Voraussetzungen dafür waren gut: Ski-Star Maria Riesch und Sänger Hansi Hinterseer, früher Ski-Profi, waren für Sportfans und Volksmusik-Liebhaber da, Lena und Stefan Raab, Beth Ditto sowie Shakira für die jüngere Generation. Anna Netrebko, zurück aus der Babypause, ist nicht nur Klassik-Freunden ein Begriff. Die "Scorpions" und Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber deckten das Feld für alle mit einem Musikgeschmack irgendwo dazwischen ab.

Lange herrschte harmloses Geplauder

Leider gab es für die Gespräche mit den prominenten Gästen auf der Couch wieder nur jeweils ein paar Minuten, und die wurden meistens für seichte Plaudereien genutzt. Schön, dass Stefan Raab nicht das Klischee vom Klamauk-Gast geliefert hat. Nett, dass sich Lena offenbar keine Star-Allüren zugelegt hat. Schade, dass sie im Laufe der Show ziemlich schweigsam wurde.

Gottschalk sorgte in einem Moment hingegen wieder für eine Senkung des Niveaus. Raab wollte mit Handschlag eine Abmachung mit der Latina-Musikerin Shakira besiegeln. Woraufhin Gottschalk witzelte, in Südamerika gebe es ja Totschlagverträge. Politisch korrekt ist anders, und das war sogar geschmacklos.

Erst als Beth Ditto kam und später mit Schauspielerin Emma Thompson zusammentraf, wurde es wirklich unterhaltsam. Da hätte man sich mehr Zeit gewünscht, damit die Damen mal so richtig ins Gespräch kommen. Doch Emma Thompson musste auch noch ihre verlorene Wette einlösen — und "Max und Moritz" vorlesen. Was langweilig klingt, meisterte die zweifache Oscar-Preisträgerin mit viel Humor. Andrew Lloyd Webber sorgte dafür, dass Lena noch einmal zum Thema wurde. Er lobte ihr Talent und meinte: "Aus England gibt es keine große Konkurrenz".

Die Wetten: Sport, ferne Galaxien und ein bisschen Ekel

Unglaublich: Ein Mathe-Lehrer, der auf Bildern mit tausenden Sternen erkennen kann, wenn einer der winzigen hellen Punkte darauf fehlt. Leider spiegelten sich die Lichter aus dem Zuschauerraum in den Bildern, und so musste das Publikum mithelfen und die Lampen zuhalten. Für den Pauker, der jahrzehntelang dieses Kunststück geübt hat, aber kein Problem. Er gewann souverän - und wurde Wettkönig.

Simpel, aber unterhaltsam: Ein Hochhaus, 27 Stockwerke, Fußgänger gegen Einrad-Fahrer. Der Clou: Der Fußgänger rennt die Stufen hoch, der Radler fährt hinunter. In einem tollen Sprint siegte der Hobbyläufer. Die Zuschauer wählten ihn später auf Platz zwei.

Und einen kleinen Ekel-Faktor gab es auch noch: Ein Wettkandidat wollte Würstchensorten am Geschmack des Wurstwassers aus Glas oder Dose erkennen. "Uähhh", war dann auch der Kommentar von Michelle Hunziker. Raab, als gelernter Metzger idealer Wettpate, verlor. Er sang "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei". Unglaublicherweise sang das Publikum sogar mit.

Bei der ersten Wette gab es einen kleinen Fauxpas: Ein Industriekletterer hangelte sich einer Fliege gleich zwischen zwei Glaswänden entlang. Und hinterher verriet er auch noch Internes: In der Requisite hätte man ihn gefragt, ob er Haarspray haben wolle — offenbar zur besseren Haftung an den Händen. "Aber ich hab gesagt, wenn ich's mache, dann ehrlich", erklärte der Wettkandidat. Da wollen wir mal nicht hoffen, dass es sonst unehrlich zugeht...

Hier geht es zur Bilderstrecke: So war "Wetten, dass..?" aus Salzburg