Joachim Fuchsberger ist tot: "Blacky" — Charmeur und Entertainer

Joachim Fuchsberger ist tot : "Blacky" — Charmeur und Entertainer

Joachim Fuchsberger ist mit 87 Jahren an Organversagen gestorben. Er war ein Star des Nachkriegs-Kinos und prägte mit seinen beliebten Rateshows das Fernsehen. Dabei blieb er stets gleichermaßen charmant wie stur.

Vor allem anderen war Joachim Fuchsberger ein Schlitzohr, der seine Kritiker mit einem Lächeln entwaffnen und aufs Glatteis führen konnte. So einen wie ihn liebten die Menschen, groß gewachsen, gut aussehend, gleichermaßen smart wie galant. Einen Sympathieträger. Das Etikett habe er sogar schriftlich gehabt, festgehalten in einem Vertrag mit der Produktionsfirma Constantin, erzählte Fuchsberger einmal. Ob augenzwinkernd oder nicht, wer weiß es schon. Den Schalk hat er sich bis zuletzt bewahrt, sich trotzig behauptet angesichts permanenter Schmerzen und des schweren Schicksalsschlags, den eigenen Sohn zu Grabe tragen zu müssen. Rund vier Jahre nach Thomas ist gestern Joachim "Blacky" Fuchsberger in seinem Haus bei München gestorben, wie seine Frau Gundula mitteilte. Der perfekte Gentleman und schlitzohrige Entertainer wurde 87 Jahre alt.

Unabhängigkeit lautete Fuchsbergers lebenslanges Credo, die Fähigkeit, überall und jederzeit zu überleben. Das habe er auch seiner Frau Gundel versprochen, erzählte er einmal, das er immer irgendetwas heranschaffen würde. Und er halte sich dabei an den Rat eines Jockeys: Wenn er an die Hindernisse schon beim Start denke, komme er nie an. Das beinhaltete freilich auch, einige Male vom Pferd zu fallen - um sofort wieder aufzustehen und weiterzumachen. Als zum Beispiel die Kritik an Fuchsbergers Rate-Show "Auf los geht's los" nicht abebbte, schmiss er 1986 die Moderation hin, ging nach Australien und drehte die Doku-Reihe "Terra australis". 2006, mit 79, nahm er sogar die australische Staatsbürgerschaft an, auch das eine trotzköpfige Reaktion auf den Schmäh in der Heimat.

In die Fuchsberger aber regelmäßig zurückgekehrt ist, mehr als 20 Jahre war er ein Pendler zwischen den Welten. Aber auch die Showwelt musste "Blacky" sich erst erobern. Der Vater war Vertreter für Setzmaschinen, Sohn Joachim wurde 1927 in Stuttgart geboren, war aber von 1936 bis 1943 in Düsseldorf gemeldet, ging auch dort zur Schule. Während des Krieges musste er Brandwache im Rathaus halten und löschte dort gemeinsam mit Karlheinz Schnitzler ein Feuer. Nach dem Krieg arbeitete Fuchsberger zunächst als Bergmann in Recklinghausen, später im Druckereibetrieb des Droste Verlages, in dem auch die Rheinische Post gedruckt wurde. Nebenher jobbte er als Ansager bei der Messegesellschaft und wurde wegen seiner markanten Stimme vom Rundfunk entdeckt.

Von dort war der Schritt ins Fernsehen nur ein kleiner. Anfangs spielte Fuchsberger, wie er selbst sagte, "fade, dusslige jugendliche Liebhaber" in Filmen wie "Die Zwillinge vom Zillertal" oder "Mein Schatz ist aus Tirol". Später drehte er sein Image mit Edgar-Wallace-Filmen wie "Der Hexer", "Der Frosch mit der Maske" oder "Die toten Augen von London". Jetzt war er der Mann von Scotland Yard, eine Art James Bond light, zupackend, selbstbewusst, clever. Das entsprach mehr seinem Selbstbild; zudem ließ sich mit wenig Aufwand viel Geld verdienen. Nebenher schrieb er ganz erfolgreich Schlager, für Udo Jürgens und für Howard Carpendale.

Weil ihm die Filmstoffe zu seicht wurden, sattelte er nach der Neuverfilmung des Kästner-Klassikers "Das fliegende Klassenzimmer" (1973) aufs Fernsehen um. Seine Rate-Shows "Nur nicht nervös werden!", "Der heiße Draht" oder "Auf los geht's los" waren Straßenfeger, mit seinen lockeren Sprüchne aber eckte er an, Kritiker geißelten ihn wegen verbaler Entgleisungen. Für einen Sturm der Entrüstung sorgte er, als er bei der ARD in bei "Auf los geht's los" im Nachthemd auftrat, um eine Wette von "Wetten, dass..?" einzulösen. Kurz darauf reichte es Fuchsberger: "Beim Fernsehen stehst du alleine. Du legst deinen Kopf auf den Block, und du weißt, dahinter steht einer mit einem Beil."

Die Konstante in seinem Leben war seine zweite Frau Gundula. "Meine Regierung" nannte er sie, die einzige Obrigkeit, die er anerkenne, ohne zu murren. 60 Jahre lebte das Paar zusammen, ohne Seitensprünge und Skandale. Zur Goldenen Hochzeit 2004 formulierte er das Rezept für eine gute Beziehung: "Tragödien gibt es in jeder glücklichen Ehe - man muss sie nur meistern." Wenige Jahre später musste das Paar den Verlust des gemeinsamen Sohnes Thomas (53) verkraften, der im Oktober 2010 unterzuckert in einem Bach ertrank. Für Fuchsberger war es "die brutale Beendigung unserer Lebensfreude, die wir noch hatten", ein bleibender, bohrender Schmerz.

Fuchsberger trotzte auch diesem Schlag, so gut er konnte, und er hielt den Tod mit Arbeit auf Distanz - drehte Filme, schrieb Memoiren. Zwar wirkte er zerbrechlich, angegriffen von Schlaganfall und anderen Gebrechen, aber niemals mutlos. Mut hat ihn zeitlebens ausgezeichnet. Als Stadionsprecher bei den Olympischen Spielen in München musste er über die Evakuierung der Arena entscheiden. Es hieß, es sei ein Anschlag mit einem Passagierflugzeug geplant. Fuchsberger entschied sich gegen eine Räumung. Wenn er sterbe, hatte Fuchsberger vor kurzem gesagt, hätte er gerne, dass seine Asche in seinem Garten unter seiner 200 Jahre alten Buche verstreut werde. Diese Buche sei sein Lebensbaum. "So lange die Buche steht, lebe ich."

(RP)
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