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"Das Traumschiff": ZDF-Sendung wird 40 Jahre alt - Ein Überblick

ZDF-Kultsendung : „Traumschiff“ feiert 40. Geburtstag

Das ZDF-„Traumschiff“ ist ein Stück lebendige deutsche Fernsehgeschichte. Die Folgen bieten Eskapismus in Reinkultur und funktionieren immer nach dem selben Muster. Nur die Kapitäne und die Schiffe wechselten, am Glücksversprechen änderte sich nichts.

Einfach nur weg. Mal wieder Sonne, Strand und Meer sehen, dem Wellenrauschen lauschen und einem weisen Steuermann, der mit warmen Worten und brennenden Wunderkerzen die Daseinsschwere beiseite wischt. Fast jeder wünscht sich gerade so eine Auszeit vom Alltag, aber das Bedürfnis nach einem Zipfel heiler Welt, nach temporärer Flucht aus der Realität, existierte schon immer. Eskapismus nennt sich diese Sehnsucht nach einer Scheinwirklichkeit, und Fernsehproduzent Wolfgang Rademann lieferte dafür vor 40 Jahren das perfekte Fluchtvehikel: Am 22. November 1981 stach das ZDF-„Traumschiff“ zum ersten Mal in See. Ziel: die Karibik. Bis heute steht das Schiff erfolgreich für unerfüllte Träume, hat sich entwickelt zu einer Art fliegendem Holländer der leichten Unterhaltung, der alljährlich an hohen Feiertagen die Segel hisst. Im Kielwasser die Kreuzfahrt als modernes Glücksversprechen.

 Rademann bewies damals den richtigen Riecher, als er sich die amerikanische Fernsehserie „Love Boat“ und die DDR-Reihe „Zur See“ zum Vorbild nahm und für das westdeutsche Fernsehen adaptierte. Ein wenig Herzschmerz, milde Spannung, exotische Kulissen, garniert mit bekannten Gesichtern, fertig war das Erfolgsrezept. Hanebüchenes Seemannsgarn zumeist, dafür mit garantiertem Happy End bei Kapitänsdinner und Eisbombe. Dabei hatte der Produzent, wie er selbst bekannte, mit Urlaub nichts am Hut, war eher ein rastlos Schaffender, getrieben von der Suche nach neuen Stoffen. Zwei Staffeln à sechs Folgen waren zu Anfang geplant, 90 Folgen sind es bis heute geworden. Zuverlässig an Ostern, Weihnachten und Neujahr schippert der ZDF-Vergnügungsdampfer hinter den Horizont, unbeeindruckt von Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Kreuzfahrt-Tourismus oder CO2-Emissionen. Die reale Welt muss draußen bleiben, auch das ein Gesetz der Serie. 

 Wobei sich ein gewisser Wandel nicht ganz vermeiden ließ, aber meistens eher beiläufig vonstatten ging. So wechselten bis heute fünfmal die Schiffe. Zunächst durfte sich die „Vistafjord“ den Ehrentitel „Traumschiff“ an den schneeweißen Bug heften, danach folgten die „Astor“, die „Berlin“ und die „Deutschland“, deren Betreibergesellschaft insolvent ging, und seit 2015 die „Amadea“. Für die im August diesen Jahres verstorbene Heide Keller, die fast 37 Jahre Chefhostess Beatrice spielte („Willkommen an Bord!“), war die „Deutschland“ eine Art Zuhause, wie sie im Interview erzählte. Den Luxus, dort in einer schönen Kabine wohnen und die Welt bereisen zu dürfen, habe sie als großes Geschenk empfunden.  

 Ähnlich wird es wohl vielen Beteiligten ergangen sein. Neben der Gage lockte auch das Ambiente, die Gelegenheit, auf ZDF-Kosten auf große Fahrt zu gehen. Satiriker Harald Schmidt, der in mehreren Folgen unter anderem als Crewmitglied Oskar Schifferle mitreiste, erklärte seine Zusage gegenüber dem „Spiegel“ einmal lapidar mit: „Drehort geht vor Inhalt.“ Die Liste der Gaststars an Bord liest sich auf jeden Fall wie ein „Who-is-who“ der deutschen Schauspiel- und Unterhaltungsbranche. Dabei waren etwa Gila von Weitershausen, Maria Sebaldt und Gaby Dohm, aber auch Sigmar Solbach, Günther Maria Halmer und Dietrich Mattausch, die Entertainer Thomas Gottschalk, Hape Kerkeling und Joachim Fuchsberger, Peter Weck, Hannelore Elsner, Otto Sander, Til Schweiger, Otto Waalkes, Klausjürgen Wussow und viele andere. 

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 Keine Besetzung war allerdings so entscheidend wie die der Kapitäne. Waren die ersten drei Kapitäne, gespielt von Günter König, Heinz Weiss und Siegfried Rauch, noch Männer, denen man im Sturm sein Leben anvertrauen würde, wie es Heide Keller ausdrückte, so steuerte das „Traumschiff“ erst mit dem etwas verstrubbelten Sascha Hehn und aktuell Florian Silbereisen durch einige Untiefen. Vor allem Volksmusikant Silbereisen ist für viele Fans, aber auch Beteiligte, eine Art Klabautermann, der den Luxusliner zum Partyboot degradiert. Um noch einmal Heide Keller zu zitieren: „Mit einem ,Traumschiff’-Kapitän verbindet man nicht einen fröhlichen Jungen, der zu Musik auf der Bühne rumhüpft“, sagte sie. „Und wo wollen Sie die Uniform für ihn kaufen? In der Trachtenabteilung?“

 Silbereisens Engagement ist der Versuch, den Unterhaltungs-Supertanker des ZDF auch für eine jüngere Generation attraktiv zu gestalten. So taucht zielgruppengerecht in einer Folge Moderator Joko Winterscheidt als Bruder des Kapitäns auf. Bisher aber hat das Traumschiff noch allen Veränderungen getrotzt, sie ins eigene Universum eingemeindet, sozusagen kielgeholt, untermalt von James Lasts schwelgerischer Titelmusik. Und auch in diesem Jahr wird das Traumschiff, Corona hin oder her, wieder auslaufen, am zweiten Weihnachtstag nach Schweden, an Neujahr nach Namibia. Frei nach Lale Andersen: „Ein Schiff wird kommen und meinen Traum erfüllen.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Erinnerungen an 40 Jahre „Das Traumschiff“