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Schauspieler auf Kundgebung in Köln: Willi Herren besucht die Salafisten

Schauspieler auf Kundgebung in Köln : Willi Herren besucht die Salafisten

Die Kundgebung der rund 300 radikalislamischen Salafisten in Köln verlief ruhig. Für Aufsehen sorgte lediglich eine Einlage von Schauspieler Willi Herren ("Lindenstraße"). Er kletterte auf die Bühne zu Prediger Pierre Vogel zeigte sich "begeistert".

Abgesichert durch die Polizei demosntrierten am Samstag in Köln rund 300 Salafisten - deutlich weniger als erwartet. Angemeldet waren zum "1. Islamischen Friedenskongress" mit dem umstrittenen Prediger Pierre Vogel etwa 1000 Teilnehmer.

Wenige hundert Meter entfernt protestierten etwa 40 Anhänger der rechtsextremen Splitterpartei Pro NRW gegen die Aktion. Die Polizei verhinderte mit Hunderten Beamten ein Aufeinandertreffen der beiden Gruppen. Die in Medien befürchteten Krawalle blieben aus.

"Auch wenn ich nicht sehr religiös bin"

Für Verwunderung sorgte indes ein Auftritt von Schauspieler Willi Herren, der einem breiten Publikum durch seine früheren Auftritte in der "Lindenstraße", aber auch durch etliche Skandale und Skandälchen, unter anderem Trunkenheit am Steuer, bekannt ist.

Am Samstag zeigte sich Herren nun neben dem Salafisten-Prediger Pierre Vogel auf der Veranstaltungsbühne. "Auch wenn ich nicht sehr religiös bin, gehe ich doch einmal die Woche mit meinem Sohn in den Dom. Und von der friedlichen Stimmung hier bin ich begeistert", rief Herren laut Kölner "Express" über das Mikrofon den Besuchern zu.

Dabei lachte er und zeigte sich gut aufgelegt. Pierre Vogel nannte er dem Blatt zufolge einen Freund. Herren habe erklärt, er und Vogel hätten sich früher beim Boxen kennengelernt. Der Konvertit Vogel aus dem Rheinland ist der bislang bekannteste Prediger der Salafisten.

Islamfeindliche Parolen

Die Anhänger der rechtspopulistischen Vereinigung Pro NRW waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr anzutreffen. Bevor Vogel die Bühne betrat, wurde ihre Gegenaktion beendet. Auf das Hochhalten von Mohammed-Karikaturen, mit denen sie im NRW-Landtagswahlkampf in Solingen und Bonn die Gemüter der Islamisten erzürnt hatten, verzichtete Pro NRW an diesem Samstag. Dennoch waren islamfeindliche Parolen zu hören.

In Deutschland gilt der Salafismus als die am schnellsten wachsende und wegen ihrer Radikalität besonders gefährliche Strömung des Islamismus. Sicherheitsbehörden schätzen die Zahl der Anhänger auf etwa 4.000. Für Salafisten ist das Ideal ein Gottesstaat, in dem es keine "vom Menschen erfundenen" Gesetze gibt, sondern in dem das islamische Rechtssystem, die Scharia, gilt.

Strenge Salafisten lehnen die westliche Lebensweise ab, propagieren die schlichte Geschlechtertrennung und betrachten Homosexualität als schwere Sünde.

(APD)