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Kaputte Klimaamlagen und Korruptionsaffären: Pannen-Konzern Bahn

Kaputte Klimaamlagen und Korruptionsaffären : Pannen-Konzern Bahn

Düsseldorf (RP). Bahn-Chef Rüdiger Grube wollte die Fehler seines Vorgängers Hartmut Mehdorn vergessen machen. Aber dazu hat er keine Zeit. Der Ex-Daimler-Stratege kämpft mit den Widrigkeiten des Alltags.

Als Rüdiger Grube vor gut einem Jahr den Bahn-Chefsessel von Hartmut Mehdorn übernahm, atmete die Republik auf: Die Fahrgäste hofften auf mehr Gegenleistung für ständig steigende Ticketpreise. Die Politik auf den lange versprochenen Börsengang, den Mehdorn 2008 verpatzt hatte. Und die Mitarbeiter, tief verunsichert durch Spitzel-Aktionen und Korruptionsaffären, auf friedlichere Zeiten. Aber Grube verstrickt sich in den Widrigkeiten des Alltags. Noch am Wochende musste der ehemalige Daimler-Stratege sich wieder entschuldigen. Diesmal sind seine Passagiere wegen kaputter Klimaanlagen zu Dutzenden kollabiert.

Wartung Viele Mängel sind angeblich eine Folge des überforderten Wartungspersonals. Laut Fahrgast-Verband Pro Bahn sind die Werkstätten seit Monaten blockiert. "Wegen gravierender Sicherheitsmängel müssen Tausende von Radsatzwellen ausgetauscht werden", sagt Pro Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann. Weitere 72 000 Achsen müssen bei Güterwaggons ersetzt werden, wie Grube vor dem besorgten Verkehrsausschuss des Bundestages eingeräumt hat. Naumann: "Die haben keine Kapazitäten für Reparaturen an Toiletten und Klimaanlagen."

Pünktlichkeit Der schlechte Zustand von Fuhrpark und Schienen führt zu mehr Ausfällen. Wie viele Züge verspätet ankommen, verrät die Bahn nicht. "Die Zahlen schwanken zu stark", begründet das ein Sprecher. Bei einem Pünktlichkeitstest der Stiftung Warentest kam mehr als ein Drittel der Fernzüge mindestens vier Minuten zu spät. Eine Ewigkeit für Kunden, die einen Anschluss-Zug erreichen müssen.

Kommunikation Für ihre schlechte Kommunikation hat sich die Deutsche Bahn beim Journalistenverband Netzwerk Recherche schon den Negativ-Preis "Verschlossene Auster" abholen müssen. Im vergangenen Jahr feuerte die Bahn ihren Marketing- und Kommunikationschef Ralf Klein-Bölting, weil er Millionensummen für gefälschte Leserbriefe und Umfragen ausgegeben haben soll. Die Kommunikationsprobleme kennen auch die Kunden nur zu gut: "Über Verspätungen und Ausweich-Verbindungen wird völlig unzureichend informiert", klagt Pro Bahn. Im April kam die Stiftung Warentest zu dem Ergebnis, dass eine gute Beratung am Bahn-Schalter reine Glückssache ist. Laut einer aktuellen Image-Analyse des Markenmonitors YouGov gehört die Bahn inzwischen zu den unsympathischsten Unternehmen in Deutschland.

Gewerkschafts-Chaos Rüdiger Grube hat bei der Bahn mit gleich drei Gewerkschaften zu kämpfen: Transnet, GDBA und GDL verfolgen jeweils unterschiedliche Ziele. Viele Gewerkschaften, viel Konfliktstoff: 2007 hatten die in der GDL organisierten Lokführer den Bahnverkehr gleich für mehrere Tage bundesweit lahmgelegt.

Finanzen Im vergangenen Geschäftsjahr brach der Umsatz um zwölf Prozent auf 29,3 Milliarden und das Geschäftsergebnis um 32 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ein. Obwohl der Konzern mit rund 15 Milliarden Euro verschuldet ist, leistete er sich im April die Übernahme des britischen Transportunternehmens Arriva — mit 2,7 Milliarden Euro der teuerste Zukauf in der Geschichte der Deutschen Bahn. Und das, obwohl die Bahn schon 40 Milliarden Euro in neue Züge, marode Gleise und Bahnhöfe investieren muss.

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(RP)