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Rente 2021: Nullrunde für Westrentner wegen Corona-Pandemie

Pandemie trifft 25 Millionen Senioren : Westrentner gehen wegen Corona leer aus

Ohne Schutzklausel würden die Renten sogar kräftig sinken. Die Arbeitgeber fordern nun, die ausgefallene Senkung in den nächsten Jahren nachzuholen und mit Erhöhungen zu verrechnen. Im Osten steigen ohnehin trotz Pandemie die Renten um 0,7 Prozent.

Schlechte Nachricht für 25 Millionen Senioren in Deutschland: Die Corona-Krise trifft sie nun auch finanziell. Eigentlich müssten die Renten im kommenden Jahr im Westen um vier Prozent sinken, wie die Deutsche Rentenversicherung (DRV) vor Journalisten in Würzburg erklärte. Nur die in der Finanzkrise eingeführte Schutzklausel verhindert die Senkung. Aktuell geht die Rentenversicherung davon aus, dass es für die Westrentner im Jahr 2021 eine Nullrunde geben wird. Die Ost-Renten werden dagegen auch im kommenden Jahr etwas steigen, nämlich um 0,7 Prozent, weil dies im Zuge der mittelfristigen Ost-West-Angleichung so vereinbart ist.

Ursache für die Nullrunde sind die Lohn- und Beitragsentwicklung in diesem Jahr. „Der durch die Pandemie verursachte Schock auf dem Arbeitsmarkt führte dazu, dass die Einnahmen aus Beiträgen insbesondere im April erheblich gesunken sind“, sagte Alexander Gunkel, Vorsitzender der DRV. Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen bislang nur wenig angestiegen, weil Millionen Menschen in Kurzarbeit sind. Für sie übernimmt die Bundesagentur für Arbeit (BA) einen Teil der Rentenversicherungs-Beiträge – aber eben auch nur einen Teil. Zudem sinkt durch die Krise die Bruttolohnsumme in diesem Jahr um ein Prozent, und ihrer Entwicklung folgt die Entwicklung der Renten. „Die diesjährige negative Entwicklung der Löhne wirkt sich auf die Rentenanpassung im kommenden Jahr aus“, erläutert Gunkel.

Damit endet für die Senioren eine lange Phase von kräftigen Erhöhungen. Im Juli 2020 waren die Renten noch um 3,45 Prozent im Westen und um 4,2 Prozent im Osten gestiegen. Das war deutlich mehr als die Inflation, so dass auch die Kaufkraft deutlich gestiegen ist.

Die Bundesregierung geht in ihrer Wirtschaftsprognose für 2021 davon aus, dass Wirtschaft und Lohnsumme wieder kräftig wachsen. Entsprechend können die Senioren für das Jahr 2022 auch wieder auf ein kräftiges Rentenplus hoffen. Nach aktuellen Schätzungen werden die Renten im Westen dann um 4,8 Prozent steigen, im Osten gar um 5,6 Prozent.

Nicht einmal die 2021 ausgefallene Rentenkürzung wird mehr nachgeholt. Denn Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat den lange geltenden Nachholfaktor vor zwei Jahren still und leise wieder abgeschafft. Würde der Nachholfaktor weiter gelten, würden anstehende Rentenerhöhungen so lange halbiert, bis die ausgefallene Kürzung ausgeglichen ist. Für 2022 würde dies dann nur ein Rentenplus von 2,4 Prozent im Westen und 2,8 Prozent im Osten bedeuten.

Doch das lehnen die Gewerkschaften ab. Alexander Gunkel, der für die Arbeitgeberverbände im Vorstand der Rentenversicherung sitzt, sprach sich dagegen dafür aus, den Nachholfaktor dringend wieder einzuführen. „Das halte ich für geboten.“ Nur dann folge die Rentenentwicklung gleichmäßig der Lohnentwicklung. Die Gewerkschaften, die im Vorstand der Rentenversicherung mit Anja Piel vertreten sind, wollen nicht, dass Rentenkürzungen nachgeholt werden.

Zugleich beruhigte Gunkel: „Die Rentenversicherung ist für Krisenzeiten gut aufgestellt. Sie verfügt auch über eine hohe Nachhaltigkeitsrücklage.“ Am Ende des Jahres werde die Rücklage bei 1,53 Monatsausgaben liegen, im nächsten Jahr bei 1,15 Monatsausgaben. „Ein Szenario, in dem 2021 die Rücklage aufgebraucht würde, ist auch bei negativen Erwartungen nicht realistisch“, beruhigte Gunkel.

Allerdings muss auch die Bundesregierung zunehmend eingreifen: In diesem Jahr steuern die Beitragszahler fast unverändert 223 Milliarden Euro bei. Die Bundeszuschüsse steigen dagegen um 4,1 Prozent auf 75 Milliarden Euro, hinzu kommen 16 Milliarden für Kindererziehungszeiten. Die Beiträge der Bundesagentur für Arbeit (BA) etwa für die Kurzarbeiter erhöhen sich um fünf Prozent auf knapp fünf Milliarden Euro. „Die großen Herausforderungen für die Zukunft bleiben bestehen“, so Gunkel. Dazu zählen vor allem die Alterung und Schrumpfung der Gesellschaft.