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Lehrer rettet Deutsche nach Haiangriff das Leben: "Ich bekomme die Schreie nicht mehr aus dem Kopf"

Lehrer rettet Deutsche nach Haiangriff das Leben : "Ich bekomme die Schreie nicht mehr aus dem Kopf"

Ein Hai im Wasser, verzweifelte Schreie und Blut überall: Der Alptraum, der einer jungen deutschen Touristin widerfahren ist, die bei einem Haiangriff auf Hawaii ihren Arm verloren hat, hätte noch schlimmer enden können. Ein Lehrer aus Kalifornien rettete ihr das Leben. Die junge Frau stammt offenbar aus Hessen.

Der 57-jährige Rick Moore schilderte der Nachrichtenagentur AP die dramatischem Minuten nach der Haiattacke auf der Insel Maui am Mittwochnachmittag. "Wir standen am Strand, als wir diesen markerschütternden Schrei hörten", sagte der Lehrer. "Wir schauten hinaus und das Wasser war voller Blut."

Er habe sofort seine Flossen angezogen und sei zu ihr geschwommen, erzählte Moore, der in Irvine im US-Staat Kalifornien Sport und Gesundheitserziehung unterrichtet. "Als ich zehn Fuß (rund drei Meter) von ihr entfernt war, habe ich gesehen, dass sie auf ihrem Rücken treibt, ohne Arm. Er war komplett abgetrennt."

"Ich weiß, dass ich sterbe"

Die 20-jährige Deutsche hatte in rund sechs Meter tiefem Wasser geschnorchelt, als der Hai sie vor dem Palauea Beach im Ort Makena angegriffen hatte. Moore erzählt, er habe sie von dort rund 90 Meter durch die starke Strömung bis an die Küste ziehen müssen. "Da wurde mir klar. Ich bin jetzt in Gefahr. Der Hai ist irgendwo hier und sie blutet. Ich habe laut angefangen zu beten und sie sagte nur: "Ich sterbe, ich weiß, dass ich sterbe.'"

Sein Freund Nicholas Grisaffi habe ihm dann geholfen, die junge Frau an Land zu ziehen, die bereits das Bewusstsein verloren habe. Die drei Freunde der jungen Deutschen seien völlig geschockt gewesen, als die beiden die Verletzte auf ein Kajak legten, zur Straße trugen und mit der Wiederbelebung begannen. "Wenn wir nicht dagewesen wären, wäre sie nicht gerettet worden", sagte der 61-jährige Grisaffi. "Niemand tat etwas. Alle standen nur schockiert da und starrten auf das Blut."

Ihre beiden Retter besuchten die Deutsche am Freitag im Krankenhaus, in das sie schließlich gebracht wurde, und erklärten, sie sei in stabilem Zustand. Einzelheiten zur Identität der Deutschen gaben die Behörden auf Hawaii nicht bekannt.

"Ich bekomme die Schreie nicht mehr aus dem Kopf"

Auch die beiden Männer hat das Unglück mitgenommen. "Ich kann diese Schreie nicht mehr aus meinem Kopf bekommen", sagte Grisaffi, der als Lehrer obdachlose Kinder unterrichtet. "Der Arm machte mir nicht so viel aus. In unserem Alter haben wir schon viel gesehen."

Der 23-jährige britische Tourist Joshua Craddock, der vom Strand aus den Notruf wählte, lobte Moore für seinen Mut. "Es war ziemlich heldenhaft und selbstlos ins Wasser zu springen, als sie schon von einer Blutlache umgeben war, die wir sogar vom Ufer aus sehen konnten."

Die junge Frau stammt Medienberichten zufolge aus Nordhessen. Die Online-Ausgabe der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen" (HNA) berichtete am Samstag, die 20-Jährige stamme aus der Nähe von Kassel. Unterdessen beschrieb ein Augenzeuge in US-Medien die schweren Verletzungen der jungen Frau: "Da, wo ihr rechter Arm sein sollte, war nur noch ein Knochen."

(ap, dpa)