Serienmorde in Toulouse: Attentäter war kurze Zeit verheiratet

Serienmorde in Toulouse : Attentäter war kurze Zeit verheiratet

Der Serienattentäter von Toulouse, Mohammed Merah, hat wenige Monate vor seiner Gewaltserie nach muslimischem Ritus geheiratet, sich kurz darauf aber wieder scheiden lassen. Derweil dementierte die Anwältin des Bruders Berichte, wonach dieser stolz auf die Taten sei.

"Wir haben am 15. Dezember geheiratet und die Scheidung wurde am 20. März offiziell, zwei Tage vor seinem Tod", sagte die geschiedene Frau am Sonntagabend der Nachrichtenagentur AFP. Nähere Angaben zu ihrem 23-Jährigen Ex-Mann, den sie nicht standesamtlich heiratete, wollte die Frau nicht machen. Auch die Gründe für die Scheidung nannte sie nicht. Ein Imam bestätigte die Angaben.

Derweil erklärte die Anwältin des Bruder des Serienmörders, dieser sei nicht stolz auf die Verbrechen. Abdelkader Merah verurteile die Taten zutiefst und hoffe, "nicht zum Sündenbock für das zu werden, was sein Bruder getan hat", sagte Pflichtverteidigerin Anne-Sophie Laguens am Sonntagabend vor Journalisten. Das Nachrichtenmagazin "Le Point" hatte zuvor berichtet, der 29-Jährige habe seinen Stolz auf seinen Bruder Mohamed zum Ausdruck gebracht.

Die französische Justiz hatte am Sonntagabend ein Anklageverfahren gegen Abdelkader Merah eingeleitet. Sie wirft dem 29-Jährigen, der als islamischer Fundamentalist gilt, Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung von Terrorakten vor. Merah weist die Vorwürfe zurück. Auch sein am Donnerstag von der Polizei getöteter Bruder hatte behauptet, allein für den Tod von sieben Menschen verantwortlich zu sein.

Abdelkader Merah wurde einem für Terrorismus-Delikte zuständigen Untersuchungsrichter vorgeführt und anschließend in einen Hochsicherheitstrakt gebracht. Die Polizei habe "ernsthafte und übereinstimmende Erkenntnisse", wonach er wahrscheinlich Komplize und Teil einer "terroristischen Unternehmung" gewesen sei, hieß es.

Laut einem Bericht der Zeitung "Le Parisien" spricht unter anderem gegen den 29-Jährigen, dass sein Mobiltelefon in der Nähe der jüdischen Schule gefunden wurde, wo der sechs Jahre jüngere Mohamed Merah am Montag vor einer Woche einen Lehrer und drei Schüler erschossen hatte.

Die beiden Brüder hätten sich am Vorabend der Bluttat getroffen und gemeinsam zu Abend gegessen. Er habe nichts von den Attentatsplänen gewusst, behauptete Abdelkader Merah zuletzt. Er gab aber zu, bei dem Diebstahl des Rollers dabei gewesen zu sein. Mit dem Fahrzeug hatte sein Bruder die Verbrechen begangen. Seine Frau und die Mutter der beiden Brüder wurden am Samstag wieder freigelassen. Die Mutter sei von den Ereignissen "erschüttert", teilte ihr Anwalt mit.

Während der 32-stündigen Belagerung seiner Wohnung in Toulouse hatte Mohamed Merah nach einem Bericht der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" gesagt, er "bedaure", nicht mehr Kinder getötet zu haben. Die Polizei prüft derzeit, ob Merah - wie er selbst behauptet hatte - Kontakte zur Terrororganisation Al-Kaida hatte und an Terror-Trainingscamps in Pakistan teilnahm.

Am Wochenende fanden in mehreren Regionen Frankreichs Trauermärsche statt. An einem Schweigemarsch in Paris beteiligten sich 5000 Menschen. Politiker nahmen den Wahlkampf für die Präsidentenwahl im April wieder auf, in dem sich die Attentate zu einem zentralen Thema entwickeln. Ob Amtsinhaber Nicolas Sarkozy von der Debatte profitieren kann, ist noch unklar. Sarkozy setzt auf das Thema Sicherheit.

(AFP)
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