Unsere Woche: Einfühlungsvermögen: mangelhaft

Unsere Woche: Einfühlungsvermögen: mangelhaft

Die Premiere eines harmlosen Werbefilms hat in der Karnevalswoche im Alpener Rathaus für viel Aufregung gesorgt.

Eine Filmpremiere im Alpener Rathaus hat politisch ungewöhnlich viel Staub aufgewirbelt. Dabei war der sympathische Streifen, der in den sozialen Netzwerken und auf Youtube für die Sekundarschule gewinnen soll, in seiner Tonlage ziemlich harmlos. Schulleiter Tilman Latzel wollte im Schulausschuss mit der Einspielung die gute Nachricht einleiten, dass seine Schule in der Gunst der Eltern deutlich aufgestiegen ist und nach den Sommerferien gleich mit drei Fünfer-Klassen an den Start gehen kann. Damit haben selbst notorische Optimisten nicht gerechnet. Dennoch blieb die Freude darüber den meisten Politikern im Halse stecken. Den Grund lieferte ausgerechnet der Werbefilm. Weil CDU-Parteichef Sascha van Beek auf Bitte Latzels die Schule loben durfte, fühlten sich alle anderen Fraktionen brüskiert. Es gibt gravierendere Fehler. Aber wäre Latzels Auftritt eine Lehrprobe gewesen, er wäre wohl glatt durchgefallen. Es gehört zum Anforderungsprofil für den Chef einer Schule, Befindlichkeiten im Rathaus zu kennen. Erst recht, wenn die Schule ums Überleben kämpft und auf Unterstützung angewiesen ist. Sich mit der "pädagogischen Brille" aus der Affäre zu ziehen, taugt als Ausrede auf Schulbubenniveau, nicht aber als Entschuldigung für mangelhaftes Einfühlungsvermögen eines Schulleiters. Gut, dass er Einsicht zeigt und den Anlass für Ärger rausschneiden lässt.

BERNFRIED.PAUS@RHEINISCHE-POST.DE

(RP)