Xanten: Als der Rosengarten unter Schaum stand

Xanten: Als der Rosengarten unter Schaum stand

Großer Bahnhof am 23. März für Karl-Heinz Oymann, der 16 Jahre Hausmeister an der Mädchenrealschule in Xanten war.

"Ich komm' aus Menzelen-Ost, wo der Spaß nix kost'": Wenn man mit Karl-Heinz Oymann plaudert, fallen zwei Dinge sofort auf: Der Mann hat Humor. Und er ist beliebt in der Marienschule, in der er seit 16 Jahren als Hausmeister dafür sorgt, dass die kaputte Türklinke ma eppkes repariert, der Platten am Fahrrad geflickt wird und der notfalls auch zum Bolzenschneider greift, um das Fahrradschloss aufzubrechen, weil die Besitzerin den Schlüssel verloren hat. Am 23. März wird er in den Ruhestand verabschiedet - und irgendwie mag er an den Tag nicht denken: Es wird ihm schwer fallen, zum letzten Mal die grüne Tür zu schließen.

Durch Schwester Michaela, Verwaltungsoberin im Xantener St.-Josef-Hospital, ist der gelernte Maurer Karl-Heinz Oymann an den Hausmeister-Posten gekommen. "Ich bin Hausmeister, kein Facility-Manager", sagt er, holt den Generalschlüssel aus der Jackentasche und schließt die Tür zu seinem kleinen Büro im Erdgeschoss der Mädchen-Realschule am Dom auf. Und erzählt von seinen 32 Jahren, die er bei Bauunternehmer Karl Engenhorst in Menzelen-Ost gearbeitet hat. "Da haben wir damals, 1972 muss das gewesen sein, die Kinderstation und Ambulanz in dem Krankenhaus gebaut". Da habe er auch Schwester Michaela kennengelernt - und 2001 zufällig wieder getroffen. "Mein Gott, wie isses denn?" wollte sie damals wissen. Es war gerade nicht so gut: Karl-Heinz Oymann hatte aus gesundheitlichen Gründen bei Engenhorst aufhören müssen. "Rufen Sie mal in der Propstei an, ich habe gehört, die suchen einen Hausmeister für die Marienschule", riet sie ihm. Gesagt getan, Bewerbung geschickt, zum Vorstellungsgespräch geladen. Eine Woche später hatte er eine neue Arbeit.

Und Karl-Heinz Oymann ist jeden Tag gerne zur Arbeit gefahren. Sein erstes Projekt nach der vierwöchigen Einarbeitung durch seinen Vorgänger Theo Rell: Den Rosengarten an der Schule umgestalten, einen Steingarten anlegen. Der Fahrradschuppen, den er einige Jahre später mit Hilfe von Eltern gebaut hatte, musste leider weichen, als die Mauer entlang der Rheinstraße abgerissen wurde. "Der steht jetzt am Sportplatz auf dem Fürstenberg", sagt Oymann, der jetzt "der jetzt "dreiundsechszigeinhalb" ist. Pünktlich um 6.40 Uhr war (und ist) er jeden Morgen in der Marienschule, im Gepäck den Belag und das Gemüse - Gurken, Tomaten, Salat - für die Brötchen, "damit die Schmiermütter was zum Belegen haben". Ein paar Männer seien ab und zu aber auch dabei gewesen, räumt er schmunzelnd ein.

Eine Entlassfeier - "ich weiß nicht mehr genau, wann" - wird er nie vergessen: Die, als der Rosengarten unter Schaum stand. Eine Schülerin hatte Spülmittel in den Brunnen geschüttet; "da stand ich da zu gucken, wie ich den Schaum jetzt weg kriege". Dr. Volker Plegge, Chemiker und Ehemann einer Lehrerin, gab den entscheidenden Tipp: "Drei Tropfen Frostschutzmittel rein". Das, so Oymann, habe zwar vier, fünf Tage fürchterlich gestunken. Aber der Schaum war weg.

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Genau wie vielleicht die Angst vor der Klassenarbeit bei der ein oder anderen Schülerin, wenn Karl-Heinz Oymann ihr die Daumen drückte. "Aber nur eineinhalb Daumen". Eineinhalb? "Der ist 1973 in der Kreissäge gelandet", sagt er und hält den halben Daumen an der linken Hand hoch. "Zack, weg war er!"

Etwas mulmig sei ihm schon, wenn er an den Ruhestand denkt, gibt Karl-Heinz Oymann zu. "Das wird komisch". Aber er habe ja noch den Schützenverein. Und das Martinskomitee. Und die drei Enkelkinder und die Radtouren mit der Ehefrau.

Wenn am Freitag, 23. März, um 11.30 Uhr die Stunde des Abschieds gekommen ist, wird auch seine inzwischen 94-jährige Mutter dabei sein, genau wie einige seiner sieben Geschwister - und der "Neue", der dann den Generalschlüssel bekommt: Matthias Dungs, Steinmetz von Beruf.

(jas)