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Tönisvorst: Als die Laschenhütte Strom bekam

Tönisvorst : Als die Laschenhütte Strom bekam

Vor 90 Jahren gründete sich die Interessensgemeinschaft Laschenhütte. Noch heute sind die Mitglieder engagiert, wenn es um die Belange ihrer Ortschaft geht. Das Jubiläum wurde mit einem Festakt gefeiert.

Vor 90 Jahren sah es in der Laschenhütte noch anders aus. Lediglich ein paar Häuser und ein paar Höfe prägten das Bild. Aber es gab schon ein Kaffeehäuschen auf dem Feldburgweg, das an den Wochenenden von den Reisenden der preußischen Staatsbahn besucht wurde, die an der Haltstelle Forsthaus ausstiegen. Auch Spaziergänger und Radfahrer machten hier Halt, um sich für ein paar Pfennig Stühle auszuleihen und in heißem Wasser, das das Kaffeehäuschen ausschenkte, den mitgebrachten Kaffee aufzulösen.

Später wurde aus dem Kaffeehäuschen eine Poststation. An der heutigen Fasanenstraße gab außerdem in den 1920er Jahren eine Pferderennbahn, die der Reiterverein Seydlitz betrieb. Aber wenn die Sonne unterging, dann wurde es dunkel in der kleinen Ortschaft zwischen St. Tönis und Forstwald. Denn Strom gab es in der Laschenhütte nicht. Das wollten ein paar Bewohner ändern.

"1923 schlossen Anton Backes, Richard Hirsch und Anton Nolden die verstreute Nachbarschaft zu einer kleinen Gemeinschaft zusammen", schreibt Paul Bongartz in seiner Chronik aus dem Jahr 1998. "Das war die Geburtsstunde der Interessengemeinschaft Laschenhütte", erzählt Jan Martin, der zusammen mit Benjamin Rütten und Angelika Kaulertz heute den frisch gewählten Vorstand der Interessengemeinschaft (IG) Laschenhütte bildet.

90 Jahre ist es her, dass die ersten Bürger sich aufmachten, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Übrigens erfolgreich: Schon bald verschwanden die Petroleum-Leuchten in den Häusern und Höfen und die Glühbirne hielt nach und nach Einzug. Und die Arbeit ging weiter. Einmal zusammengeschlossen, hatten die Mitglieder die Idee, einen eigenen Martinszug durch die Laschenhütte ziehen zu lassen. Bis heute gibt es diesen Zug, der auf dem Pferd angeführt wird. "Musikkapellen und ein großes Feuer gehören dazu", weiß Jan Martin.

Und die Männer der ersten Stunden stellten noch mehr auf die Beine. "Auf Betreiben des Vorstands erhielt die Laschenhütte ein eigenes Spritzenhäuschen mit einer fahrbaren Handpumpe", schreibt Bongartz in seiner Chronik. Auch eine freiwillige Feuerwehr fand sich zusammen. Im Zweiten Weltkrieg allerdings ruhten die Tätigkeiten. Erst 1951 trafen sich die Mitglieder der IG Laschenhütte, die den Krieg überlebt hatten, wieder zur Hauptversammlung. Das Hauptanliegen diesmal war es, die Schäden, die der Krieg angerichtet hatte, in gegenseitiger Hilfe zu beseitigen.

"Immer mehr engagierten sich die Mitglieder auch in der Lokalpolitik", weiß Jan Martin. So waren sie bei der Straßen- und Kanalnetzplanung beteiligt. Auch heute noch sind Vertreter der IG unter den Zuhörern im Bau- und Planungsausschuss, wenn die Belange der Ortschaft auf der Tagesordnung stehen. Aber auch die Nachbarschaftspflege, die in der IG schon immer eine große Rolle gespielt hat, steht heute noch im Mittelpunkt der Vereinsaktivität.

Über mangelnden Zuspruch kann der Verband sich auch nach 90 Jahren nicht beklagen: Er zählt rund 450 Mitglieder, das heißt, zwei Drittel aller Einwohner unterstützen die Interessensgemeinschaft.

(WS03)