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Wesel: Neue Ausstellung zur Stadtgeschichte ist eröffnet

Neue Ausstellung zur Weseler Stadtgeschichte : „Die Festung hat uns weiter fest im Griff“

Die Ausstellung in Kasematte und Museum über 780 Jahre Stadtgeschichte ist eröffnet. Darin wird das Ausmaß der Anlagen, die die Stadt Wesel über Jahrhunderte ausmachten, deutlich. Warum die Festung auch heute noch so wichtig ist.

Die ehemaligen Festungsanlagen Wesels müssen für Neuankömmlinge ein prägendes Erlebnis gewesen sein. Überliefert ist unter anderem die atmosphärisch dichte Schilderung einer Lehrerin, die spät abends am Bahnhof eintrifft und sich bei Dunkelheit den Weg durch den Zickzack der Wälle, Mauern und Gräben zum Berliner Tor suchen muss. Dabei sieht sie wegen der hohen Bollwerke nichts von der Stadt und hat zunächst beklemmende Gefühle.

Überliefert sind auch Jugenderinnerungen der Weselerin Marie Götze (1880-1977), die die Tore beschreibt und „wie angenehm gruselig es war, wenn das Licht der Laterne das Schilderhaus und die wachhabenden Soldaten flackernd beleuchtete“. Die Zeitzeugin berichtet zudem, wie ihr Vater den Kindern vor der Schleifung der Festung bei einem Spaziergang empfahl, sich alles einzuprägen. Für Marie Götze war das Bild auch im hohen Alter „klar gegenwärtig“.

Überbleibsel wie Zitadelle, Berliner Tor, Fort Fusternberg oder Fort Blücher sind heute zwar immer noch beeindruckend, aber ein Nichts gegen das, was Wesel über Jahrhunderte ausmachte. Anschaulich wird das Ausmaß der Anlagen in der Ausstellung „Stadt und Festung Wesel in Mittelalter und Neuzeit“, die am Mittwochabend feierlich eröffnet worden ist.

 Die 1572 im Städtebuch von Gregor von Braun und Franz Hogenberg erstmals erschienene Ansicht zeigt die imposante Silhouette der Stadt am Vorabend des Festungsbaus.
Die 1572 im Städtebuch von Gregor von Braun und Franz Hogenberg erstmals erschienene Ansicht zeigt die imposante Silhouette der Stadt am Vorabend des Festungsbaus. Foto: Fritz Schubert
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Coronabedingt konnten nur 50 Gäste aus Politik, Verwaltung und Kultur der Veranstaltung im Vortragsraum des LVR-Niederrheinmuseums beiwohnen. Musikalisch umrahmt von Nicole Schillings (Saxofon) und Nico Roelvink (Piano) gab es drei Ansprachen mit einem Ziel: die Betonung des Kulturzentrums Zitadelle. Dies zu stärken, strich zunächst Veit Veltzke als gastgebender Museumsdirektor heraus. Als „Ersatzschloss oder Burg“ biete die Zitadelle „besondere Chancen für das Stadtmarketing“. Die städtische Brisürenkasematte, die mit den angrenzenden Räumen des Museums die Schau nun beherbergt, sei ein „idealer Ort für Ausstellungen“.

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp ließ auch die finanziellen Anstrengungen Revue passieren, mit denen die Stadt sich für den Erhalt und die Nutzung der historischen Gebäude einsetzt. Jüngstes Beispiel ist die besagte Kasematte. Sie ist wegen ihres Ziegelkreuzgewölbes ein Kleinod und mit einem unterirdischen Technikraum nun bestens gerüstet für zukünftige Veranstaltungen. Dass Unterstützung von Land und Bund weiter nötig sein werde, machte Westkamp an Sanierungen der Wallmauern fest und befand zum Schluss: „Hier wird gelebt.“

 Die Luftaufnahme von 1920 zeigt die Zitadelle unmittelbar vor ihrer Sprengung. Die Bastionen sowe die Bebauung des Zitadellenplatzes sind noch vollständig erhalten.
Die Luftaufnahme von 1920 zeigt die Zitadelle unmittelbar vor ihrer Sprengung. Die Bastionen sowe die Bebauung des Zitadellenplatzes sind noch vollständig erhalten. Foto: Fritz Schubert

Stadtarchivar Heiko Suhr blieb es überlassen, auf Inhalte der Ausstellung und die nunmehr 780-jährige Geschichte seit der Erhebung Wesels zur Stadt 1241 einzugehen. Eins der ältesten Dokumente des Archivs stammt von 1278: Der Landesherr gestattet Wesel, für den Bau von Stadtmauern eine Abgabe zu erheben. Bekanntermaßen ist das Stadtarchiv selbst in der Baeckerey der Zitadelle untergebracht und ein Eckpfleiler des kulturellen Lebens in den ehedem militärischen Anlagen. Diese, so Suhr, bestimmen das Leben in Wesel noch heute, würden doch bei nahezu jedem Bauvorhaben Relikte gefunden. „Die Festung hat uns nach wie vor fest im Griff“, sagte Suhr und dankte besonders Martin Roelen, dem Leiter des Stadtarchivs, ohne dessen 30-jährige Forschung die Ausstellung nicht möglich gewesen wäre.

Die Schau ist bis zum 5. Dezember im LVR-Niederrheinmuseum und der städtischen Brisürenkasematte zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Eintritt für Erwachsene: 4,50 Euro (jeder erste Freitag im Monat frei). Der Begleitband ist für 20 Euro im Stadtarchiv, in der Stadtinformation am Großen Markt und im Buchhandel erhältlich.