Handball: Handball: Knallharte Vorbereitung für Referees

Handball : Handball: Knallharte Vorbereitung für Referees

Ein verregneter Samstagmorgen Anfang Juli. Das Handballleistungszentrum Essen an der Raumerstraße ist schön gelegen, ein bisschen im Grünen, direkt neben der Helmut-Rahn-Sportanlage. Es ist kurz nach 8.30 Uhr: Allmählich trudeln die Hauptakteure der nächsten beiden Tage im Tagungsraum des Zentrums ein. Während sich die Handballer in Wesel, Hamminkeln oder Schermbeck durch eine beinharte Vorbereitung quälen und vom Kraftraum zur Joggingstrecke und wieder in die Halle wechseln, bereiten sich auch die Schiedsrichter des Handballverbands Niederrhein (HVN) auf die kommende Spielzeit vor.

An jenem Wochenende sind es rund 16 Verbandsliga-Gespanne, die ihre Prüfungen ablegen müssen. Die Unparteiischen des HVN stehen, anders als man gelegentlich zu hören bekommt, ebenfalls unter Leistungsdruck. Mit zwei bis sechs Beobachtungen von offizieller Seite müssen sich die Referees pro Saison auseinandersetzen und dort mitunter harte Kritik einstecken.

332 Regelfragen

Um dieses Maß jedoch auf ein Minimum zu reduzieren, veranstaltet der HVN für Schiedsrichter ab der Verbandsliga halbjährlich einen solchen Lehrgang. 332 Regelfragen gibt es. 30 werden für den Test zufällig ausgewählt. Mindestens 70 Prozent der Fragen müssen richtig beantwortet werden. Der Schiedsrichter-Ausschuss des HVN, ein dreiköpfiges Gremium um den Vorsitzenden Fritz Wübbels, lässt dabei keine Ausrede gelten. Die Frauen – auch ein weibliches Gespann ist dabei – und Männer an der Pfeife haben sich vorzubereiten, wenn sie oben mitmischen wollen. Den Schiedsrichtern macht das Pfeifen Spaß, anders ließe sich dieses Pensum wohl nicht Woche für Woche bewältigen.

"Kondition ist Konzentration"

Es gibt für Schiedsrichter zwei wesentliche Komponenten: die psychische und die physische. Beide müssen die Unparteiischen beherrschen und auf beide bereitet der HVN vor. Weil der Handball sich stark verändert hat und immer schneller geworden ist, reicht es heute nicht mehr aus, Regelkunde zu besitzen. Die Schiedsrichter müssen körperlich fit sein, um den Anforderungen zu genügen. Lehrwart Wolfram Schlieder betont dies in den zwei Tagen immer wieder: "Kondition ist gleich Konzentration", lautet das Motto. Drei Lauftests stehen deshalb auf dem Programm. Ein Sprinttest, ein "Shuttle-Run", bei dem die Geschwindigkeit stetig ansteigt, und ein Koordinationstest. Auch hierauf gilt es sich vorzubereiten. Wird nur einer der Tests nicht erfolgreich absolviert, können die Schiedsrichter fast schon abreisen.

Stefan Butgereit, Rechtswart des HVN, bildet den Abschluss des Lehrgangs. Der Verband will seinen Referees nämlich noch eine weitere Kompetenz vermitteln. Neben Fitness und Regelfachkunde ist zukünftig vermehrt auch Rechtssicherheit gefragt.

(RP)
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