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Wesel: Letzte Ausbildungsplätze stark gefragt

Wesel : Letzte Ausbildungsplätze stark gefragt

Die Lehrstellenbörse der Arbeitsagentur mobilisierte kurz vor Toresschluss Hunderte unversorgte junge Leute.

Soll man sich freuen, wenn Hunderte junge Leute zu den Last-Minute-Lehrstellenbörsen der Arbeitsagentur in Wesel, Dinslaken, Moers und Kamp-Lintfort strömen? Der Andrang am Mittwoch bewies zum einen, dass die Mobilisierung der Agentur durch Anschreiben der Unversorgten funktioniert hat und auch einige bislang nicht registrierte Suchende auf die Aktion aufmerksam wurden. Aber es hinterlässt auch einen schalen Beigeschmack, wenn kurz vor Toreschluss die Schere zwischen vielen Bewerbern und wenigen freien Stellen weit auseinanderklafft.

Längst nicht alle, die Mittwoch das Berufsinformationszentrum an der Reeser Landstraße bevölkern, gehören zu den Antriebslosen, die sich noch gar keine Gedanken gemacht haben. Leon Bremer (19) aus Wesel, Fachhochschulreife am KDG erworben, hat schon etliche erfolglose Bewerbungen hinter sich. Zugeben muss er, dass er damit "wohl etwas spät dran" gewesen ist. Mit Unterstützung des Vaters sucht er nun eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Da sieht er wegen guter Englisch-Kenntnisse seine Stärken. Zwei Stellen hat er gefunden und kann sich schon mal für weitere Gespräche mit den Berufsberatern anstellen — Vater Bremer sucht sicherheitshalber weiter an den Pinnwänden nach passenden Lehrstellen für seinen Sohn.

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Unterdessen erlebt Berufsberaterin Barbara Sieg, wie Vorstellungen und Möglichkeiten voneinander abweichen. Auf die Frage, warum sie gekommen ist, antwortet eine junge Weselerin: "Musste ich ja." In einem echten Bewerbungsgespräch ist so was tödlich. Auch scheint das ausgeguckte Berufsziel mit dualem Studium der Beraterin "sehr ambitioniert". Das sind zwei Abschlüsse in einer Ausbildung, macht Sieg der Weselerin klar. Und, dass ein ausführliches Gespräch außerhalb der Börse folgen muss und sicher eine Überbrückungslösung gefunden wird. Denn für 2014 hat die junge Frau schon eine Zusage für eine Lehre im Gesundheitswesen.

Ganz unverkrampft gehen zwei Schermbeckerinnen mit der Börse um. Stefanie Beckelmann (19) hat an einer Privat-Uni in Ungarn schon einen Platz gefunden, wo sie auf Deutsch Medizin studieren wird. Ihre Freundin Laura Helbing (18) hatte noch nichts, war spontan in die Agentur gekommen, um sich als Suchende anzumelden. Dass zufällig die Börse stattfindet, begeistert sie. Studieren möchte sie, Lehramt Primarstufe mit Sonderpädagogik, hat es damit aber nicht eilig. Einen ganzen Schwung Referenznummern hat sie notiert, darunter auch für Ausbildungen zur Köchin. "Toll, ich koche und backe leidenschaftlich gern", sagt Helbing. "Studieren kann ich danach oder lasse es, wenn mir der Beruf dann gefällt."

(RP)