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Kreis Wesel: Die Jäger setzen auf die SPD

Kreis Wesel : Die Jäger setzen auf die SPD

Neues Jagdgesetz: Der Druck der Kreisjägerschaft bleibt und wird von allen Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Wesel unterstützt. Grüne strafen die Jäger bei Kommunalkonferenz mit Desinteresse.

Die geplante und kurz vor der Entscheidung stehende Änderung des Jagdgesetzes bringt die Kreisjägerschaft Wesel (KJS) weiter in Wut. Nach der kürzlichen Regionalkonferenz in Wesel mit 3000 Beteiligten legte sie jetzt mit einer Kommunalkonferenz in der Niederrheinhalle nach, die weit weniger Zuspruch erhielt. Das ist allerdings nicht als Kampfesmüdigkeit zu werten, denn das Unverständnis über die von den Grünen in Landesregierung und Landtag getriebene Gesetzesänderung werten die Jäger weiter als massiven Angriff auf Hege und Pflege sowie als weitgehende Entmündigung der Jagdberechtigten. Deshalb setzt die Kreisjägerschaft auf die Regierungskoalitionäre von der SPD, die in voller Stärke ihrer drei Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Wesel - Norbert Meesters, Rene Schneider und Ibrahim Yetim - zur Debatte kamen. Das war ein demonstrativer politischer Akt, um Unterstützung zu signalisieren. Marie-Luise Fasse von der CDU als Kritikerin der Gesetzesänderung war ebenfalls dabei - voll und ganz aufseiten der Jäger. Als enttäuschend muss aber die weitere politische Resonanz bezeichnet werden. Die FDP äußerte sich erst nicht, wollte dann Ersatz schicken, was aber nicht zustande kam. Die Piraten hatten kein Interesse, und die Grünen bestraften die Jäger mit Desinteresse.

An der Kampfeslage hat sich wenig bis nichts geändert. Auf dem Podium machten KJS-Vorsitzender Alfred Nimphius und der Vizepräsident des Landesjagdverbandes NRW, Georg Kurella, unter der Moderation von Sebastian Falke (Radio KW) ein ums andere Mal die Positionen der Jäger klar. Der Eingriff in den Katalog jagdbarer Arten missachte die Hegeleistungen der Jäger, die geforderten jährlichen Schießnachweise seien "hoffnungslos überzogen", das Verbot der sogenannten Baujagd und die Beschränkung auf Kunstbaujagden belaste gefährdete Arten. Die Wiedereinführung der Jagdsteuer angesichts vieler Leistungen der Jäger für die Allgemeinheit wird abgelehnt. Rene Schneider erkannte bald die Gefahr, die Debatte der Regionalkonferenz mit ihren vielen Kritikpunkten zu wiederholen und riet, sich angesichts des fortgeschrittenen Verfahrens auf einige Knackpunkte zu beschränken. Schließlich habe es bereits Fortschritte im Sinn der Jäger gegeben, da sei auch kurz vor Toresschluss noch nicht das letzte Wort gesprochen.

"Wir sind auf ihrer Seite, aber wir müssen nicht nur die Grünen bewegen, sondern auch die 96 Mitglieder der SPD-Landtagsfraktion überzeugen", sagte er. Da macht er ein Stadt-Land-Gefälle aus, denn Abgeordnete aus städtischen Bereichen hätten oft eine andere Sicht als die aus ländlichen, die die Arbeit der Jäger kennen würden. Hier scheint auch die Sollbruchlinie zu den Grünen zu verlaufen, die aus Sicht der SPD ihre überwiegend städtische Wählerschaft mit besonderen Tierschutz-Meinungen bedienen würden. Auch Norbert Meesters als umweltpolitischer der SPD-Landtagsfraktion, der sich mit seiner Methode Dialog viel Anerkennung bei den Jägern erworben hat, verwies auf mehrere Punkte des Jagdgesetzes, die bereits entschärft worden seien. Die Bewertung ist allerdings unterschiedlich. Fasse sprach von "vielen Zückerchen", während der Kern des Gesetzes bleibe, und Diskussionsteilnehmer aus der Jägerschaft wollten "Taten" statt andauernde Gesprächszusagen sehen. Doch klar ist, dass ein anderes Jagdgesetz kommt, denn "die gesellschaftlichen Meinungen zum Tierschutz haben sich gewandelt und auf diese Stimmungen gehen wir ein", so Meesters. Nun werde schlussverhandelt. Eine Zusage: "Wir werden die Jagdsteuer nicht akzeptieren, das wird die Richtung sein."

(RP)