Mein Arbeitsplatz: Sozialer Dienst im Haus Vogelsang

Mein Arbeitsplatz : Zeit haben für die besonderen Momente

Beate Schwarz nimmt sich Zeit für Gespräche: Die 55-Jährige arbeitet beim Sozialen Dienst im „Haus Vogelsang“.

Eine ältere Dame muss zum Arzt. Das ist längst Routine für Betreuer und Bewohner im Evangelischen Altenzentrum „Haus Vogelsang“ und doch sind die alten Menschen zuweilen etwas aufgeregt. An diesem Morgen begleitet Beate Schwarz die Dame auf dem Weg in die Praxis. Der Transport mit dem Rollstuhl ist längst geklärt und als die beiden Frauen den Arztbesuch geschafft haben, lächelt Beate Schwarz fröhlich: „Sollen wir noch ein Eis bei Cordella essen?“, fragt sie dann. Und auf dem Gesicht der alten Dame breitet sich ein Strahlen aus. Eine Stunde lang inmitten des trubeligen Stadtlebens an der Telegrafenstraße. Ein Eis schlemmen, ein bisschen Menschen beobachten und sich an früher erinnern. „Mit einem kleinen Ausflug kann man viel Freude machen“, sagt Beate Schwarz. Und deswegen nimmt sie sich die Zeit.

Früher gab es diese Momente viel seltener, in denen Personal Zeit hatte zum Ausfliegen, Zuhören, Reden, Spielen, Basteln, Kochen. Die Liste der Aktionen ist lang. Aber seit das Sozialgesetzbuch regelt, das Bewohner in Pflegeeinrichtungen eben nicht nur Anspruch auf Pflege, sondern auch auf soziale Betreuung haben, sind diese besonderen Moment im Kalender gesetzt. An diesem Morgen kehren Beate Schwarz und die alte Dame zufrieden und lächelnd in die Pflegeeinrichtungen zurück. „Ja“, sagt die 55-Jährige, „diese Zeit gab es früher nicht. Die Altenpfleger können das neben ihren eigenen Aufgaben nicht leisten.“ Deswegen übernimmt das im Altenzentrum „Haus Vogelsang“ der Soziale Dienst. Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Bewohner im Einsatz. „Wir machen einen Wochenplan“, erklärt Beate Schwarz, „und dort ist Einzelbetreuung ebenso vorgesehen wie Gruppenangebote.“ Das mache den Beruf so vielseitig. Mal begleite sie Menschen zum Arzt, sorge dafür, dass ein Schälchen Mangosalat am Platz auf den Bewohner warte oder widme sich einer Handmassage. „Und manchmal geht es einfach darum, Menschen zuzuhören, die glauben, dass sich keiner mehr für sie interessiert“, sagt Beate Schwarz. Dann werden Erinnerungen lebendig. Augen beginnen wieder zu strahlen und alte Menschen, die sich zuweilen nicht mehr an gestern erinnern können, nehmen wieder Teil am Gespräch.

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Diese Entdeckung macht Beate Schwarz auch in den Gruppenangeboten. Dann sitzen die Bewohner mit dem Schwungtuch zusammen oder backen Kuchen und sorgen für leckere Düfte im Wohnbereich, widmen sich Themen wie „Mein erstes Taschengeld“ oder „Die Pflanzenwelt“. Regelmäßig richtet sie Dinner-Abende aus, die schon am Tag für gespanntes Warten im Wohnbereich sorgen. Und Beate Schwarz geht nach ihrem Dienst für gewöhnlich beschwingt nach Hause. „Die Menschen freuen sich über meine Arbeit“, sagt sie, „ich werde gebraucht.“ Und das motiviert sie jeden Tag neu. Manchmal höre sie die Bewohner schon tuscheln, wenn sie über den Flur käme: „Das ist die Beate, gleich gibt es Programm.“ Dann spürt sie diese fröhliche Erwartung bei den Menschen und bei sich selbst. Das war schon damals so, als Beate Schwarz mit 26 Jahren aus Polen kam, kaum deutsch sprach und bisher bei der Bahn und nicht mit alten Menschen gearbeitete hatte. Aber sie bekam einen Job in der Pflege eines kleinen Altenheims. „Ein Neuanfang“, sagt sie heute, „und ich bin schnell zurechtgekommen.“ Das entspreche einfach ihrem Naturell, zu hören, was Menschen brauchen. Mit dem neuen Gesetzt wechselte sie dann in die Betreuung. Und hier hat Beate Schwarz ihren Platz gefunden.

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