Wermelskirchen: Innenstadt: Autos mit Vorrang

Wermelskirchen: Innenstadt: Autos mit Vorrang

Herbe Niederlage für den aufblühenden Radtourismus: Mit einer Stimme Mehrheit wurde gestern Abend der Verkehrsversuch als gescheitert angesehen. Radfahrer müssen über Brückenweg oder Kölner Straße ausweichen.

Bürgerforum, WNKUWG und CDU haben sich gestern Abend durchgesetzt: Mit einer Stimme Mehrheit erklärten sie den Verkehrsversuch, den Radverkehr gegen die Einbahnstraße auf der Telegrafenstraße, als gescheitert an.

Ohne parkende Fahrzeuge gibt es genügend Platz auf der Telegrafenstraße. Foto: Teifel, Udo

Den Vorschlag von FDP, dem sich SPD und Grüne anschlossen, den Verkehrsversuch um ein Jahr zu verlängern und mit begleitenden Maßnahmen die Verkehrsführung zu verbessern, lehnte die Mehrheit ab. Nach Ansicht von Büfo, WNKUWG und CDU sollen die Radfahrer über die steile Kölner Straße — dass der Markt in diesem Jahr umgebaut wird und dort eine Baustelle ist, schien nicht zu interessieren.

So sieht es aus, wenn am linken Fahrbahnrand der Telegrafenstraße Autos verkehrswidrig parken: Der Radfahrer weicht in den Gegenverkehr aus. Da wird es eng. So können gefährliche Verkehrssituationen entstehen. Foto: Udo Teifel

Auf der Telegrafenstraße soll noch in dieser Woche die Markierung entfernt werden, teilte gestern Abend Harald Drescher (Stadt) mit, ebenso die provisorische Beschilderung. Damit gibt es dann offiziell keine Verkehrsführung des Panorama-Radweges "Balkantrasse" durch die Innenstadt in Richtung Osten mehr. Wie es weitergeht, ist derzeit offen: "Die Konzeption der Radweg-Ausweisung muss jetzt entwickelt werden", so Drescher. Als Alternative zur steilen Kölner Straße sieht Drescher den Brückenweg; aber auch diese Verkehrsführung lehnt der ADAC aus Sicherheitsgründen ab (siehe nebenstehenden Bericht).

Gleich die Abstimmung

Ausschussvorsitzender Friedel Burghoff (Büfo) wollte eigentlich keine Diskussion, sondern gleich die Abstimmung — er war sich seiner Mehrheit sicher: "Die Positionen standen ja alle schon in der Zeitung." Volker Schmitz (CDU) lehnte eine weitere Reglementierung auf der Telegrafenstraße ab — deshalb sollten die "schwächsten Verkehrsteilnehmer, eben die Radfahrer, die gegen die Einbahnstraße fahren", aus der Straße verschwinden. Dann haben die Autos freie Fahrt. Denn: Das Miteinander ist ein Problem. Wer die Probleme bereitet, sprach er nicht an.

  • Leser-Meinungen zur Telegrafenstraße

Bernhard Schulte (SPD) meinte, wenn der Radverkehr in Wermelskirchen attraktiv werden soll — und es würden noch mehr Radler auf der Trasse kommen —, dann müsste der Verkehrsversuch zum Regelverkehr werden — mit Verbesserung der Verkehrslenkung. Das stieß aber bei der Mehrheit auf taube Ohren.

Auffallend in der Diskussion: Die Mehrheits-Fraktionen kamen von selbst nicht darauf, das Thema Durchgangsverkehr anzusprechen. Das musste auch erst wieder Schulte tun. "Wir wollten, dass die Telegrafenstraße eine Geschäftsstraße bleibt und der Verkehr über den Brückenweg fließen soll. Das funktioniert aber nicht." Volker Schmitz wie auch Rüdiger Bornhold (WNKUWG) meinten dann, mit dem Thema müsste sich der Ausschuss "in der nächsten Zeit" beschäftigen — wann, ließen aber alle offen.

Kommentar

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(RP/rl)