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Lokalsport: Viersen bekommt mit neuem Coach die Kurve

Lokalsport : Viersen bekommt mit neuem Coach die Kurve

Lange sah es so aus, als ginge es für den Viersener Traditionsclub in die Fußball-Bezirksliga. Nach einem Trainerwechsel reichte es doch noch.

Dass Willi Kehrberg als lebende Legende beim 1. FC Viersen irgendwann einmal unfreiwillig seinen Trainerstuhl würde räumen müssen, war eigentlich undenkbar. Schließlich war er auch schon für nach seiner Zeit an der Seitenlinie ganz konkret in die Zukunftsplanungen im Zuge der modernisierten Infrastruktur am Hohen Busch bei den FC-Fußballern eingeplant. Doch in der kürzlich beendeten Landesliga-Spielzeit geschah es dann doch. Auch wenn er selbst überzeugt war, den Karren noch aus dem Dreck ziehen zu können, entzog ihm die Vereinsführung im März das Vertrauen und installierte den bis dahin hierzulande völlig unbekannten Steve Jäck als neuen Trainer. Der 31-Jährige machte bei seiner ersten Senioren-Trainerstation vieles richtig und hielt die Viersnener mit einem Schnitt von fast zwei Punkten pro Spiel noch in die Liga.

"Uns ist klar, dass diese Personalie natürlich auch ein gewisses Risiko birgt. Aber letztlich erhoffen wir uns frische Impulse von einem jungen Typen", sagte Michael Berghausen in seiner Funktion als Vorsitzender des 1. FC Viersen damals. Die frischen Impulse sahen die Verantwortlichen nach einem überaus zähen ersten Saisonabschnitt sowie einem durchwachsenen Start aus der Winterpause, was die Viersener zu einem Dauergast auf den Abstiegsrängen machte, für angebracht. Nach einem großen personellen Umbruch im vergangenen Sommer, der zu einem Großteil mit Perspektivspielern gestaltet wurde, hatte zwar niemand mit ungeahnten Höhenflügen gerechnet, doch das es so schlecht lief, sorgte dann doch für Sorgenfalten. Wobei die Mannschaft teils auch darunter litt, dass als Führungsspieler eingeplante Akteure gar nicht oder nur unregelmäßig spielen konnten. So fehlte zum Beispiel Neuzugang Dennis Richter wegen einer Knieverletzung im alten Jahr komplett.

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Nach einem Unentschieden zum Auftakt gegen Nievenheim dauerte es noch sieben Spiele, bis daheim gegen Aufsteiger Dormagen der erste Sieg eingefahren werden konnte (5:1). Kehrberg fand mit der jungen Mannschaft einfach nicht die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive. Das sorgte offenbar für eine derartige Verunsicherung, dass sich eine schon fast unheimliche Serie von individuellen Fehlern ergab, die zu bitteren Niederlagen führten. Das veranlasste Kehrberg dazu, einen eher auf defensive Stabilität ausgerichteten Fußball spielen zu lassen. In der Folge gab es zwar regelmäßige Punktgewinne, doch gerade gegen Konkurrenten aus dem Tabellenkeller folgten immer wieder Rückschläge, fehlte auch das nötige Matchglück.

Das kehrte mit Steve Jäck definitiv zurück. Er trat von Beginn an selbstbewusst auf, verordnete dem Team eine mutigere Spielweise und traf überraschende Personalentscheidungen. Als Volltreffer erwiesen sich zum Beispiel die Versetzung von Sean Herrmann ins defensive Mittelfeld und das grenzenlose Vertrauen in die strategischen Fähigkeiten von Dennis Richter, obwohl der nach seiner Knie-OP noch weit weg war von seiner körperlichen Bestform. Gleich im ersten Spiel unter Jäck gelang ein völlig überraschender 3:2-Sieg beim Titelanwärter SC Velbert, insgesamt gab's unter Jäck sieben Siege, zwei Unentschieden und drei Niederlagen, was noch zu Rang zwölf reichte. Erst nach dem vorletzten Spieltag durch das 1:1 gegen Jüchen war der Klassenverbleib endgültig sicher.

Schon am kommenden Samstag bittet Steve Jäck zum ersten Training der Vorbereitung, die seine erste als Seniorentrainer sein wird. Dabei wird er den nächsten Umbruch bei den Viersenern gestalten müssen, denn neun Abgänge stehen elf teils wieder sehr jungen Zugänge gegenüber.

(RP)