Fußball: Mehr als nur ein Viersener Stadtderby

Fußball : Mehr als nur ein Viersener Stadtderby

Nach über drei Jahren treffen der ASV Süchteln und der 1. FC Viersen morgen wieder in einem Punktspiel aufeinander. Doch es geht in der Landesligapartie nicht nur um die Punkte, sondern auch um eine Weichenstellung.

Als der ASV Süchteln am 23. März 2014 den 1. FC Viersen empfing, setzte der Verein große Hoffnungen in das Stadtderby. Zwei Wochen zuvor war schon Union Nettetal im eigenen Stadion besiegt worden und damit die Hoffnungen auf den Klassenverbleib in der Fußball-Landesliga gestiegen. Ein Sieg gegen den großen FC hätte sicher einen weiteren Schub gegeben. Doch daraus wurde nichts. Die Viersener gewannen 2:0, und am Ende der Saison verabschiedete sich der ASV für drei Jahre in die Bezirksliga.

Vor dem morgigen Wiedersehen in Süchteln haben sich die Vorzeichen deutlich geändert. Während die Gastgeber sich eine Spielklasse tiefer stabilisiert haben, hat sich der 1. FC Viersen zu einem potenziellen Abstiegskandidaten entwickelt. Nach einem großen Umbruch und dem Trainerwechsel von Willi Kehrberg zu Steve Jäck gelang schon in der vergangenen Saison nur hauchdünn der Klassenverbleib. Nach einem schwachen Start und einem erneuten Trainerwechsel von Steve Jäck zu Daniel Saleh sieht es aktuell so aus, als müsse wieder bis zum Saisonende gezittert werden. Als Tabellenletzter hat die Truppe vom Hohen Busch gerade mal drei Punkte auf dem Konto, seit dem Sieg gegen Mettmann folgten in der Liga fünf Niederlagen mit 2:17 Toren, begleitet von zwei Pokalschlappen. Süchteln ist dagegen nach behäbigem Start inzwischen in der Liga angekommen und steht mit 13 Zählern im Mittelfeld der Tabelle. Doch ASV-Erfolgscoach Heinrich Losing gibt nicht einen Pfifferling auf diese Zahlen. "Viersen ist eine Mannschaft, die seit vielen Jahren in der Landesliga spielt. Die haben gute Jungs in der Mannschaft, die uns wehtun können", erklärt Losing und ergänzt: "Das ist ein Derby. Da wird Viersen sicher alles reinwerfen." Weil Losing vor seinem Engagement in Süchteln als Spieler und Trainer am nördlichen Niederrhein aktiv war, kennt er die besondere Rivalität zwischen dem ASV und der innerstädtischen Konkurrenz nur vom Hörensagen. Jedenfalls hat er festgestellt, dass es im Verein durchaus Menschen gibt, die darauf hinweisen, dass dieses Spiel tunlichst nicht verloren werden dürfe. "Mir persönlich geht es erst mal darum, dieses Spiel zu gewinnen", betont Losing, der aber auch kein Geheimnis daraus macht, dass der ASV durchaus längerfristige Ziele hat: "Wir wollten wieder in die Landesliga und haben auch dort Ziele. Wir würden schon gerne auf Dauer an Viersen vorbeiziehen."

Das war kurzfristig schon einmal gelungen, als Süchteln 2012 auch mit großem finanziellen Aufwand unter Trainer Chiquinho den Sprung in die Landesliga schaffte und danach nur knapp am nächsten Aufstieg scheiterte. Der Stachel von damals sitzt aber offenbar nicht mehr so tief. Zumindest nach außen hin gibt sich der Viersener Fußball-Obmann Ronny Mustac vor der Neuauflage des Derbys ganz gelassen: "Es gibt kein natürliches Recht für den 1. FC Viersen darauf, der erfolgreichste Verein der Stadt zu sein. Das waren wir viele Jahre. Aber wenn andere gute Arbeit leisten, ist das toll, und das respektiere ich." Mustac hat sich gerade wegen der emotionalen Derbys sogar über die Landesliga-Rückkehr des ASV gefreut. Dass er die Süchtelner nicht als Konkurrent im Kampf gegen den Abstieg und aktuell schon enteilt sieht, ist aber kein Grund für ihn, für morgen schwarzzumalen. "Süchteln ist für uns keine unlösbare Aufgabe, auch wenn die Erfahrung und die jüngsten Erfolge für den ASV sprechen", betont Mustac. Ein Derbysieg wäre jedenfalls kein schlechter Zeitpunkt für eine Trendwende.

(RP)
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