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Kreis Viersen: Ohne Stau an der Urne

Kreis Viersen : Ohne Stau an der Urne

Für die Wahlvorstände dümpelte der Tag von 8 bis 18 Uhr so dahin. Viele Bürger, die ihre Stimme abgeben wollten, hatten vorher schon die Möglichkeit der Briefwahl genutzt. In vielen Wahllokalen herrschte weitgehend die große Langeweile.

Die Eisheiligen haben ihrem Ruf alle Ehre gemacht. Strahlender Sonnenschein und ein kalter Wind begleiteten gestern die Landtagswahl im Kreis Viersen. In der nacht hatte es hier und da gefroren, gegen 6 Uhr in der Frühe lagen die temperaturen in Nettetal beispielsweise bei 0 Grad. Dieses Klima bestimmte tagsüber auch die Arbeit in den Wahllokalen. Wirklich wärmende Ereignisse gab es nicht.

"Keine besonderen Vorkommnisse", hieß es, wo man auch nachfragte. In Bracht beispielsweise, wo traditionsgemäß vier Wahllokale im Schulzentrum eingerichtet sind, hielt sich die Wahlbegeisterung der Bürger in engen Grenzen. Kurz vor 18 Uhr meinten die Wahlleiter und ihre Helfer übereinstimmend, man habe wohl in etwa die Beteiligung der Landtagswahl erreicht, die vor zwei Jahren abgehalten wurde. Das hieß, dass die Beteiligung um die 55 Prozent spielte, rechnete man die Briefwähler hinzu, kam man auch über 60 Prozent.

Der Trend geht mehr und mehr über zur Briefwahl. Eine Gruppe von älteren Radfahrern, die gegen 17 Uhr mit leicht geröteten Gesichtern zwischen Leutherheide und Leuth unterwegs war, rief auf die Frage, ob es jetzt ins Wahllokal gehe: "Nein, wir fahren nicht ins Wahllokal." Der am Ende der Gruppe fahrende Mann rief über die Schulter zurück: "Wir haben alle schon Briefwahl gemacht, weil wir heute eine Radtour geplant hatten. Wir kommen aus Süchteln."

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In der katholischen Grundschule an der Jahnstraße in Kaldenkirchen war es in beiden Wahllokalen durchweg ruhig. "Die Wähler haben sich eigentlich über den ganzen Tag verteilt", berichtete Heinz-Gerd Schummers. Einen Stau an der Urne gab es nicht. Überschlägig hatten er und seine Mitstreiter immer wieder die Wahlbeteiligung berechnet. "Sie dürfte ähnlich ausgefallen sein wie vor zwei Jahren", meinte er.

Nein, Fragen hatten die Wähler nicht. "Der Stimmzettel ist doch übersichtlich, es gibt zwei Stimmen. Wenn man sich entschieden hat, sind die beiden Kreuze schnell gesetzt", meinte eine Brachterin, als sie die Schule am Südwall verließ. Ja, sie hatte auch nachgeschaut, ob die Partei der Piraten auf dem Stimmzettel stand. "Die haben ja hier nicht viel für sich geworben", meinte sie. Aber den Aufsteigern der letzten Monate hat sie ihre Stimme nicht gegeben. Mehr wollte sie nicht verraten. "Wahlgeheimnis", sagte sie knapp.

"Etwas mehr Beteiligung als bei früheren Wahlen", verzeichnete der Wahlkreis, in dem unter anderen Anni Terporten (CDU) und Monika Flöth (SPD) tätig waren. "Der Bezirk hat sonst eher schwache Ergebnisse hinsichtlich der Beteiligung. Woran es liegt, dass wir heute wohl eine leichte Verbesserung haben werden, weiß ich wirklich nicht", meinte Anni Terporten.

Gab es vielleicht doch die eine oder andere Besonderheit? "Ja, es gab Kuchen", hieß es in Bracht in einem Wahllokal. Nein, Wähler hatten den für die Sonntagsarbeiter an den Urnen nicht mitgebracht. Das hätte die Besatzung des Wahllokals überrascht. "Wir hatten reichlich Zeit zum Essen."

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(areh)