Treckertreff im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath

Freilichtmuseum : Alte Dampfrösser schnauben in Grefrath

Der traditionelle Treckertreff lockte am Sonntag Hunderte von Besuchern ins Grefrather Freilichtmuseum. Erstmals dampfte eine Lokomobile auf dem Gelände. Zudem wurde Getreide mit einem alten Dreschkasten gedroschen.

Das schwarze Ungetüm lässt die Besucher innehalten. Hinter der gusseisernen Ofenklappe glüht der Koks. „Wir haben drei Stunden lang vorgeheizt. Jetzt haben wir genügend Druck erreicht, um die Lokomobile zu starten“, erklärt Volker Toebe vom LVR-Industriezentrum Oberhausen. Vier Bar sind gegeben. Langsam öffnet er das Dampfventil. Wasserdampf quillt aus der Anlage und hüllt alles für einen kurzen Moment in Nebel. Ein leichtes Andrehen des großen Schwungrades und die Kurbelwelle beginnt zu arbeiten. Die Lokomobile, satte 4,5 Tonnen schwer, gerät in Bewegung, was Toebe veranlasst, noch einmal die Handbremse nachzuziehen. „Die Lokomobile stammt aus dem Jahr 1907 und war bis in die 70er-Jahre noch in einem Sägewerk im Sauerland im Einsatz“, erzählt der Fachmann.

Die Lokomobile ist ein gigantischer Anblick. Aber nicht nur sie alleine lässt die Besucher beim Treckertreff staunen. Auf den beiden großen Wiesen neben der Dorenburg rattert ein Traktor nach dem anderen aufs Grün. Der traditionelle Traktorenkorso durch Grefrath hat gerade sein Ende gefunden und die knapp 200 Oldtimer fahren mit viel Geknatter auf das Museumsgelände zurück, von wo sie auch gestartet sind.

Wobei der Deutz F2L, Baujahr 1952, gefahren von Museumsmitarbeiter Peter Hormann, an der Spitze fährt. „Der Knubbel, wie er aufgrund seiner Haubenform gern genannt wird, stand mehr als 20 Jahre im Museum. Wir haben ihn wieder ans Laufen gebracht und das ist heute seine erste Tour“, berichtet Hormann voller Begeisterung. Kaum hat er das Schätzchen in den Reihen der Traktoren eingeparkt, geht es zur Hofanlage Waldniel.

Dort kann Hormann nämlich den nächsten Traktor starten. Allerdings fährt der Deutz D11, Baujahr 1939, nicht, sondern dient als Antrieb für den Breitdrescher aus den Anfängen der 1930er-Jahre. Über Transmissionsriemen mit dem Dreschkasten verbunden zeigt das Museum hier, wie einst das Getreide gedroschen wurde. Die in den Sicherheitseinleger quer eingelegten Garben verschwinden in dem kleinen Ungetüm, um kurze Zeit später als Stroh auf der einen und Getreide auf der anderen Seite die Maschine zu verlassen. Eine kurze Unterbrechung gibt es, als einer der historischen Lederriemen reißt. Reparieren ist angesagt, dann geht es weiter.

Auf den Wiesen schlendern die Besucher derweil entlang der Traktorenreihen und staunen. Besitzer der Oldtimer fachsimpeln, einige Besucher wollen mehr über die historischen Fahrzeuge wissen. Eines der alten Schätzchen ist sogar zu verkaufen, wie ein entsprechendes Schild verkündet. Ein Angebot, das bei einigen Besucher sehnsuchtsvolle Blicke auslöst. Herzliche Lacher und der Ausruf „Guck mal“ sind bei einem Deutz zu hören, der einen Hänger angekoppelt hat. Auf dem sind historische Kleingeräte samt Obst und Gemüse liebevoll angeordnet. Gärtopf, Waschbrett, Holzschuhe, Milchkannen und Zinkwanne geben sich ein buntes Stelldichein.

„Wir sind zum ersten Mal beim Treckertreff dabei und es ist einfach super“, sagt Stefan Kettner, der seine ganze Familie, regensicher und warm verpackt, auf den Fahr D17N, Baujahr 1953, gepackt hat. Eigens dafür hat er den Oldtimer um eine Rückbank verlängert. Auf der thront Finn im Kindersitz, während Tochter Kira daneben hockt. „Mir gehört der linke Sitz neben Papa, und Mama sitzt rechts“, verrät Yannik. Nur für den Hund gebe es keinen Platz mehr. Der müsse zu Hause bleiben, scherzt Nicole Kettner.

Der Motor dieses alte Schätzchens, ein Traktor der Marke Ursus, wird von seinem Besitzer mit der Handkurbel in Gang gesetzt. Foto: Norbert Prümen
Bei Regen standen diesmal nicht so viele Schaulustige am Straßenrand, als der traditionelle Traktorenkorso durch Grefrath unterwegs war. Foto: Norbert Prümen

Der Traktor von Alfred Vinken hat es leider nicht aufs Museumsgelände geschafft. „Ich bin kurz vor Grefrath mit meinem Porsche Renault Traktor, Baujahr 1965, liegen geblieben. Mein Nachbar hat mich mit seinem Pampa bis auf den Museumsparkplatz abgeschleppt“, erzählt der Süchtelner. Er vermutet, dass irgendetwas verstopft ist, und will sich an die Reparatur machen. Fachleute gibt es genügend auf dem Gelände und auch an Ersatzteilen mangelt es nicht, denn es gibt einige Stände mit entsprechenden Angeboten.