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Solingen: Abellio ruft alle S-Bahn-Züge in Werkstatt

Solingen : Abellio ruft alle S-Bahn-Züge in Werkstatt

Verspätungen und Zugausfälle nerven die Pendler der S7 vor allem morgens Richtung Düsseldorf. Betreiber Abellio will den Ärger minimieren. Zurzeit wird ein technisches Problem gelöst. Die Dieseltriebwagen bekommen neue Getriebe.

Erst Anfang der Woche war es wieder einmal so weit. Weil bei einem Zug des privaten Bahnunternehmens Abellio die Bremsen sprichwörtlich den Geist aufgegeben hatte, musste eine der zwei Morgenverbindungen der S-Bahn "S 7" nach Düsseldorf ersatzlos gestrichen werden - und den Pendlern auch am Solinger Hauptbahnhof blieb nichts anderes übrig, als bei frostigen Temperaturen an den Bahnsteigen auf einen der regulären Züge der "S1" in Richtung Landeshauptstadt zu warten.

Tatsächlich war der Zugausfall vom Dienstag nicht der erste seiner Art. In den vergangenen Wochen klagten Bahnkunden aus Remscheid und Solingen mehrfach über gestrichene Verbindungen beziehungsweise Verspätungen auf ihrem direkten Weg nach Düsseldorf. Wobei der Ärger - geht es nach den Verantwortlichen - in Zukunft zumindest etwas abnehmen sollte. Denn wie eine Abellio-Sprecherin gestern auf Anfrage unserer Redaktion erklärte, hat der Bahnbetreiber vor kurzem damit begonnen, sämtliche Züge der S 7 in die unternehmenseigene Werkstatt in Hagen zu schicken, um technische Probleme zu beheben.

Dabei sind es in diesem Zusammenhang allerdings nicht die Bremsen, die erhebliche Sorgen bereiten. Vielmehr streikten zuletzt andere Bauteile an den Dieseltriebwagen vom Typ "Coradia LINT 41", des französischen Herstellers Alstom. "Wir lassen die Getriebe an allen neun Fahrzeugen, die auf der Strecke des Müngsteners verkehren, austauschen", sagte die Abellio-Sprecherin, die betonte, diese Maßnahme sei inzwischen nahezu abgeschlossen. "Nun gilt es nur noch einen Triebwagen zu reparieren", hieß es vonseiten des Bahnbetreibers.

Hersteller Alstom bestätigte die technischen Schwierigkeiten mit den Getrieben der Bahnen, die im Bergischen Land im Dezember 2013 ihren Betrieb aufnahmen. Es handele sich dabei um einen "Serienschaden", der von einem Lieferanten zu verantworten sei, sagte eine Alstom-Sprecherin am Mittwoch. Aus diesem Grund sei es notwendig, die betroffenen Dieseltriebwagen einer sogenannten Rollkur zu unterziehen, also die Getriebe durch neue zu ersetzen, so die Sprecherin weiter.

Bei Abellio selbst hofft man derweil, mithilfe dieses Austausches einen wichtigen Schritt vollziehen zu können, mit dem der Fahrplan bei der S 7 in Zukunft deutlich öfter eingehalten werden soll. Gleichwohl dürfte der Weg hin zu mehr Pünktlichkeit vor allem auf dem morgens bedienten Teilabschnitt zwischen Solingen sowie Düsseldorf noch steinig sein. Denn auf der Strecke in die Landeshauptstadt sind es vor allem Störungen an den Gleisen und Baustellen, die immer wieder zu Verzögerungen der S-Bahnen führen.

Das Problem hierbei ist jedoch, dass die Verantwortung für die Gleiskörper nicht beim Bahnbetreiber liegt. Vielmehr fällt die Zuständigkeit in Sachen Infrastruktur nach wie in den Bereich der DB Netz, eine Tochter der Bahn AG. "Deshalb finden in regelmäßigen Abständen Gespräche zwischen uns und der DB Netz statt, die den Zustand der Strecke beziehungsweise die Baustellen zum Gegenstand haben", teilte die Abellio-Sprecherin mit, die ankündigte, den Druck auf die Bahn gegebenenfalls noch einmal erhöhen zu wollen.

Dies könne beispielsweise zusammen mit anderen privaten Eisenbahn-Unternehmen geschehen, betonte Abellio. Ziel sei es nämlich, die Zumutungen für die eigenen Kunden möglichst auf ein Minimum zu beschränken. "Wir können den Ärger über Verspätungen und Ausfälle verstehen. Beides entspricht nicht unseren eigenen Ansprüchen", sagte die Firmen-Sprecherin.

(or)