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Korschenbroich: Rezept gegen Einsamkeit im Alter

Korschenbroich : Rezept gegen Einsamkeit im Alter

Liedberg An der Stellwand hängen etliche verschiedenfarbige Papp-Kärtchen - "Museumsbesuch" oder "Kino" ist beispielsweise darauf zu lesen, auch "Malen", "Lesungen" und "Radfahren". Neben den Karten sind Termine vermerkt. Im April war die erste ZWAR-Gruppe im Stadtgebiet für Glehn, Liedberg und Steinforth-Rubbelrath ins Leben gerufen worden.

Liedberg An der Stellwand hängen etliche verschiedenfarbige Papp-Kärtchen - "Museumsbesuch" oder "Kino" ist beispielsweise darauf zu lesen, auch "Malen", "Lesungen" und "Radfahren". Neben den Karten sind Termine vermerkt. Im April war die erste ZWAR-Gruppe im Stadtgebiet für Glehn, Liedberg und Steinforth-Rubbelrath ins Leben gerufen worden.

"Die Gruppe ist sehr aktiv", sagt Petra Köhnen beim Basisgruppentreffen im Sandbauernhof erfreut. Die stellvertretende Sozialamtsleiterin betreut die Gruppe. "Geburtshilfe" leistet Wolfgang Nötzold, Fachberater von der ZWAR-Zentralstelle in Dortmund. "Ich hätte nicht erwartet, dass in so kurzer Zeit eine so lebendige Gruppe entsteht", meint er.

ZWAR steht für "Zwischen Arbeit und Ruhestand". Im Rahmen eines vom Land angestoßenen Projekts sollen Menschen ab 50 Jahren in der Gemeinschaft eigenverantwortlich ihre Freizeit gestalten. Dem einen ließ der Beruf keine Zeit, um sich ein Hobby für den Ruhestand aufzubauen, bei einem anderen hinterlässt der Tod des Partners eine Lücke. Über 120 ZWAR-Gruppen bestehen in Nordrhein-Westfalen.

"Ich arbeite nur noch drei Monate. Und ich habe mich gefragt: ,Was passiert danach, wie gestalte ich meinen Ruhestand?'", erzählt Johann Petersen, der 57-Jährige aus Grevenbroich-Kapellen ist bei 3M beschäftigt. Bei ZWAR geht er beispielsweise mit anderen zu Jazz-Konzerten oder zum Stammtisch, der alle zwei Wochen in der Gaststätte "Alt Glehn" ist.

"Beim Wechsel in den Ruhestand droht man in ein Loch zu fallen", sagt Doris Gabelmann. Während der Liedbergerin der Übergang in den neuen Lebensabschnitt noch bevorsteht, hat Jutta Pesch, die vor wenigen Jahren aus Bayern nach Glehn zog, diesenschon hinter sich. "Ich habe bis 1994 gearbeitet, dann wurde ich nicht mehr gebraucht. Ich benötigte damals 14 Tage, bis ich zur Ruhe gekommen bin, habe mich abgeschottet.

Aber später habe ich die Freizeit genossen." Nicht nur die 70-Jährige ist voll des Lobes über die Organisation des Ausflugs nach Zons, den Horst Obermeier (68) und seine Frau Dorothee vorbereitet haben. Generell gilt bei ZWAR das Prinzip, dass die Gruppe ihre Freizeit in die eigene Hand nimmt Ausflüge, Besichtigungen oder Radtouren selbst organisiert. Jeder macht eben, was er kann - und jeder kann sich die Aktionen aussuchen, an denen er teilnimmt. "Ein großer Vorteil ist, dass keine Verpflichtung zum Mitmachen besteht", heißt es in der Runde.

Vom Besuch der "Classic Days" am nächsten Wochenende in Jüchen bis zum Jazz-Konzert reicht die Bandbreite, in diesem Monat wurden etwa die Museumsinsel Hombroich und die Kubanische Nacht in Hülchrath besucht, eine Gruppe radelte nach Langwaden. 20 Termine wurden allein im Juli angeboten. Darüber hinaus hat sich bereits eine siebenköpfige Malgruppe unter Anleitung von Artur Blum gebildet.

Besprochen werden die Freizeit-Vorschläge alle zwei Wochen montags bei den Basisgruppentreffen, zu denen jeweils rund 35 Menschen kommen. "Das Schöne ist, dass es hier keine Hierarchie gibt", sagt Horst Obermeier.

"Zunächst geht es in den ZWAR-Gruppen um die Freizeitgestaltung, darüber entstehen dan Bekanntschaften und Freundschaften. Die sind auch eine wichtige Hilfe, wenn man krank wird oder andere Probleme hat", erläutert Nötzold. Bei einer ZWAR-Gruppe soll es nicht bleiben, zwei weitere sind laut Petra Köhnen für den Raum Korschenbroich und Kleinenbroich vorgesehen.

Am Mittwoch in der NGZ:

Porträt Artur Blum

Info Wer in der ZWAR-Gruppe mitmachen möchte, kann sich an Petra Köhnen unter 0 21 61 / 613 - 169 wenden.

(NGZ)