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50 Jahre Städtepartnerschaft Remscheid/Quimper

Städtepartnerschaft Remscheid/Quimper : 50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

Am 29. Mai 1971 besiegelten Remscheid und Quimper offiziell ihre Städtepartnerschaft. Seitdem sind viele enge Freundschaften zwischen den Bergischen und den Bretonen entstanden. Trotz der Pandemie-Beschränkungen plant der Verein einige Aktionen zum Jubiläum.

Der kulturelle Austausch, der persönliche Kontakt und der freundschaftliche Umgang steht bei der Städtepartnerschaft Remscheid-Quimper ganz oben. Und das klappt so lebendig und selbstverständlich, wie bei keiner anderen Remscheider Städtepartnerschaft. In diesem Jahr blickt die deutsch-französische Freundschaft auf ein ganz besonderes Jubiläum: Vor 50 Jahren, am 29. Mai 1971, wurde offiziell die Partnerschaftsurkunde der beiden Städte in Remscheid unterschrieben. Am 23. Juli 1971 folgte dann die Unterzeichnung in Quimper.

Ein besonderes Ereignis, dass eigentlich gefeiert werden will – trotz der Einschränkungen durch die Corona-Krise. Denn immerhin ist es nicht selbstverständlich, dass eine interkulturelle und internationale Freundschaft so eine lange Zeit überdauert und aktiv besteht. Zu verdanken ist das den engagierten Bergischen und Bretonischen Mitgliedern der jeweiligen Städtepartnerschaftsvereinen, die viel Herzblut in diverse Aktivitäten und Projekte zur Pflege der Beziehungen stecken. Auch während der Corona-Pandemie halten sie über digitale Möglichkeiten Kontakt.

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„Es konnten viele Vorurteile, die nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden, abgebaut werden“, erklärt der Vorsitzende des Remscheider Vereins, Bernd Fiedler. „Aus der Erzfeindschaft ist eine Erbfreundschaft entstanden, wie es Paul Hans Specht, Leiter des Personalamtes der Stadt Remscheid a.D, einmal sagte“, ergänzt er lachend. Immerhin sind in all den Jahren insgesamt elf Remscheid-Quimper-Ehen geschlossen worden.

Außerdem haben viele, die früher einmal an einem Austausch teilgenommen haben, auch heute noch Kontakte in die Bretagne. Bernd Fiedler gehört selbst dazu. 1972 reiste er als 18-Jähriger mit einer Gruppe nach Frankreich. Kontakt zur Gastfamilie in Quimper hatte er vorher nicht, nur den Namen seines Gastbruders Henry kannte er. „Das war ein richtiges Abenteuer. Alleine die lange Anreise mit dem Zug von über 20 Stunden“, erinnert er sich zurück. Die Verbindung zur Familie besteht bis heute. Übrigens: Die Schwester seines Gastbruders ist Odile Voß, die es mit 19 Jahren als Aupair nach Remscheid zog, wo sie geblieben ist.

„Es passiert auch ganz viel im Hintergrund, ohne dass wir das im Verein mitbekommen. Viele Remscheider haben zum Beispiel Ferienhäuser in der Bretagne“, erklärt Fiedler. Er selbst war schon viele Mal in Quimper, unter anderem auch mit der Läufergruppe. Im Jahr 1999 ist eine Gruppe ambitionierter Läufer sogar die Strecke von Remscheid bis Quimper gelaufen.

Was ist das Geheimnis dieser langen Freundschaft? „Die Bretonen und die Bergischen sind sich in gewisser Weise ähnlich. Sie sind gastfreundlich und offen und beide streben nach Unabhängigkeit“, gibt Fiedler einen Erklärungsversuch. Und natürlich, fügt er schwärmend hinzu, besteche die Bretagne durch ihre wunderschöne Landschaft, von der sich Remscheider bei den regelmäßigen Bürgerreisen selbst überzeugen können. Die Herbstfahrt im Jubiläumsjahr für Ende September ist allerdings schon ausgebucht.

Am Anfang der deutsch-französischen Beziehungen stand das Interesse der Wirtschaft im Fokus. Delegationen der Städte besuchten entsprechende Messen. Das hat sich über die Jahrzehnte gewandelt – nicht zuletzt auch durch das große Engagement des langjährigen Vorsitzenden Hans-Jürgen Rühl, hebt Fiedler hervor. „In seiner Amtszeit sind viele Dinge ins Leben gerufen worden, die noch heute Bestand haben.“ Dazu zählen unter anderem die Sommerferienjobs sowie die Sprachkurse an der VHS oder in Remscheider Grundschulen.

Anlässlich des 50. Jubiläums hat Fiedler auch mit drei Akteuren der Gründungszeit gesprochen und ihre Erinnerungen schriftlich festgehalten. Darunter ist Detlef Franzen, von 1970 bis 1980 persönlicher Referent des Oberbürgermeisters Willi Hartkopf. „Ich habe eine euphorische und empathische Stimmung wahrgenommen. Man hätte meinen können, dass ganz Remscheid neugierig und interessiert war“, beschreibt Franzen die Anfänge.

Auch Paul Hans Specht, der die Vertragsunterzeichnung damals vorbereitete, erinnert sich: „Es war mehr als eine Vertragsunterzeichnung; es wurde die Versöhnung beurkundet und der Schritt in eine dauerhafte Freundschaft besiegelt. Dieser Akt der Versöhnung wurde noch besonders durch ein Mitglied der französischen Delegation hervorgehoben, das in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war und im Sitzungssaal mit dem Ehepaar aus Lüttringhausen zusammentraf, in deren Landwirtschaft es gearbeitet hatte.“

Es sind Momente wie diese, weshalb auch in Zukunft der persönliche Austausch durch Städtepartnerschaften wichtig bleibt, ist sich Bernd Fiedler sicher: „Europa kann nur dann funktionieren, wenn man sich offen begegnet. Wenn man so lange die Freundschaft zum Nachbarn pflegt, bekommt man einen ganz anderen Blick auf Europa.“ Durch die Pandemie, glaubt er, werde sich auch das Interesse der Jungen wieder vermehrt auf die deutschen Nachbarländer konzentrieren.