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Feiertage: Wenn Alkohol gefährlich wird

Feiertage : Wenn Alkohol gefährlich wird

Gegen ein Gläschen Wein oder Sekt unterm Weihnachtsbaum ist nichts einzuwenden. Doch wenn der Alkoholpegel steigt, steigt auch das Aggressionspotenzial.

Selten schmeckt das Gläschen Wein so gut wie unterm Weihnachtsbaum. Es dürfen auch schon mal zwei oder drei sein. Liegt die Weihnachtsgans schwer im Magen, hat noch immer der Magenbitter geholfen. Und wenn man inmitten von zerknülltem Geschenkpapier irgendwann den Überblick verliert?

Auch egal! Schließlich ist das alles anders nicht zu ertragen. Die Kinder quengeln, die Schwiegermutter nörgelt: Ist die Bescherung vorbei, hängt der Haussegen schnell schief. Zum Lachen geht man dann auch schon mal in den Keller - und zufälligerweise stehen da auch die Spirituosenvorräte. Dabei ist es nicht nur der Stress an den Weihnachtstagen, der danach ruft, in was auch immer ertränkt zu werden. Sondern oft auch das bevorstehende Ende eines weiteren Jahres, in dem mal wieder so manches von all dem nicht geklappt hat, was man sich eigentlich vorgenommen hatte. In den Psychiatrien herrscht zum Jahresende Hochkonjunktur und dort weiß man: Alkohol ist ein typisches Verdrängungsinstrument!

Grundsätzlich sei gegen den geringen genussvollen Konsum nichts einzuwenden, sagt Katja Neveling. Die Leiterin der Caritas-Suchtberatung warnt jedoch davor, die Folgen des Alkoholgenusses zu unterschätzen. Aus der Beratungspraxis weiß sie: "An den Feiertagen entsteht durch hohen Alkoholkonsum besonders die Gefahr, dass es zu Aggressionen und häuslicher Gewalt kommt." Aber was ist nun eigentlich zuviel des Guten? Bis wohin reicht der Genuss und wo beginnt die Gesundheitsgefährdung? Wer es ganz genau wissen will, kann in den allgemeinen Richtlinien des Bundesgesundheitsministeriums nachschlagen. Dort wurden Empfehlungen für ein "gesundes Maß" herausgegeben. Demnach liegt die risikoarme, maximale Trinkmenge für eine gesunde Frau bei 12 Gramm und für einen gesunden Mann bei 24 Gramm reinem Alkohol täglich. Zur Orientierung: 0,3 Liter Bier enthalten 13 Gramm, 0,2 Liter Wein 16 Gramm reinen Alkohol. An mindestens zwei bis drei Tagen in der Woche sollte gar kein Alkohol auf der Getränkeliste stehen.

Ein täglicher Alkoholkonsum über die risikoarme Trinkmenge hinaus erhöht zudem das Risiko für zahlreiche Erkrankungen. So kann der Verzehr alkoholischer Getränke etwa die Entwicklung von Bluthochdruck begünstigen. Auch andere Organe wie Leber, Pankreas oder der Magen-Darm-Trakt können durch zu viel Alkoholgenuss geschädigt werden. "Außerdem wird der Kaloriengehalt von Alkohol oft unterschätzt", weiß Dr. Daniela Musiol, Oberärztin der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Diabetologie am Klinikum Niederberg: "Mit ein paar Gläsern Wein oder Bier konsumieren wir eine Menge extra Kalorien, Vor allem der Becher Glühwein schlägt uns ordentlich auf die Hüften", so die Diabetologin. Ob das berühmte Glas Rotwein auch eine schützende Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System haben kann, sei noch in Diskussion: "Diese Frage treibt die Wissenschaft schon viele Jahre um und lässt sich bis heute nicht eindeutig beantworten."

(magu)