Heiligenhaus: Feuerwehr von früher hat einen Fan

Heiligenhaus: Feuerwehr von früher hat einen Fan

Mit Hingabe leitet der Pensionär Günter Blum das Feuerwehrmuseum an der Abtsküche.

"Eigentlich gibt es kaum einen Tag, an dem ich nicht hier im Feuerwehrmuseum bin", sagt Günter Blum. Der ehemalige Chef des städtischen Ordnungsamtes hat seit seiner Pensionierung 2015 richtig viel Zeit für ein Hobby, das eigentlich viel mehr ist, als nur bloßer Zeitvertreib. "Ich verbringe hier so viel Zeit, das wäre ohne Herzblut und vor allem ohne echte Hingabe überhaupt nicht möglich."

Was er damit meint, das wird deutlich, wenn man mit ihm durch die Räume des Hauses an der Abtskücher Straße schlendert und ihm zu vielen Exponaten eine Geschichte einfällt. Geschichten, die das Feuerwehrmuseum so lebendig machen und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Das betont auch der Deutsche Feuerwehrverband: "Feuerwehrmuseen in Deutschland, die sind gelebte Geschichte." Alles andere also als unnahbar und verstaubt, sondern detailverliebt und spannend. Der Einsatz für die Brandbekämpfung hat das Leben des Stadtbrandinspektors a.D. geprägt, 1969 traten er und sein Zwillingsbruder Rolf der Freiwilligen Feuerwehr bei. Sein Bruder wurde sogar hauptberuflich Feuerwehrmann. Er selbst hat seine Ausbildung als Verwaltungslehrling am 1. April 1965 begonnen. Damals fing sein Dienst um 8.30 Uhr an und schon um 10.30 Uhr sah es nach einem schnellen Karriereende aus, weil er aus dem Büro geschmissen wurde, erinnerte sich Blum, als er 2015 kurz vor seiner Pensionierung noch seine 50-jährige Dienstzeit feierte. Die Geschichte erzählte er damals mit Schalk in den Augen. Damals aber sei das gar nicht so lustig für den 14-Jährigen gewesen. "Ich hatte die falschen Briefe geöffnet, fristgerechte Briefe, die nicht hätten geöffnet werden dürfen. Und ich saß im Flur und überlegte fieberhaft, wie ich das meinen Eltern erklären sollte. Doch der Personalrat kam zufällig vorbei und legte ein gutes Wort für mich ein. Ich durfte bleiben." Es folgten Stationen im Rechnungsprüfungsamt, als Werkleiter der Stadtbetriebe, sowie im Bereich Organisationsentwicklung. Seit April 1997 war er der Chef des Ordnungsamtes und dazu gehörte auch die Konzeptionierung und Einrichtung des Bürgerbüros.

Aber immer auch der Umgang mit Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen und so manchem Abenteuer. Neben dem Beruf mit all seinen Herausforderungen gehörte ein großer Teil seiner Freizeit der Feuerwehr.

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Den aktiven Einsatzdienst verließ er 2013, nach Vollendung des 63. Lebensjahrs - so ist die Vorschrift. An die frühen 60er Jahre erinnerte Feuerwehrchef Ulrich Heis zu diesem Anlass so: "Zu dieser Zeit war die Feuerwehr in unserer Stadt noch geprägt durch stetig wachsende Improvisation in der Feuerwache am Rathaus, dem zu kleinen Feuerwehrgerätehaus in Isenbügel und weiteren Unterständen im Stadtgebiet - trotz dieser Umstände ist es stets gelungen, aus unserer Feuerwehr das Beste herauszuholen."

Seit 2013 also hat Blum mehr Zeit für das Kleinod an der Abtskücher Straße, das Museum, das auf der Sammlung der Familie Brunnöhler beruht. "Zeitdruck herrscht hier nicht, trotzdem gibt mir die Arbeit hier Struktur und Stabilität in meinem Tagesablauf", sagt der Pensionär. "Ich hab einfach was Sinnvolles zu tun."

Ein elfköpfiges Team kümmert sich dabei um etwa 10.000 Exponate, darunter auch eine stattliche Anzahl an Feuerwehrautos. Die sollen nun wieder fit gemacht werden. Gar nicht so einfach, zumal in so manchem Fall die Ersatzteilbeschaffung eine echte Herausforderung ist. Schöne Momente? "Wenn man mit dem Feuerwehrwagen dann zum Beispiel eine Hochzeit begleiten kann."

(sade)