Radevormwald: Sorge um Kurzzeit-Zivis

Radevormwald: Sorge um Kurzzeit-Zivis

Die Ankündigung der Bundesregierung, den Zivildienst von neun auf sechs Monate zu verkürzen, stößt bei hiesigen Sozialverbänden auf große Besorgnis. Die Diakoniestation erwägt, ihre Zivi-Stellen abzuschaffen.

Vertrauen und Vertrautheit sind bei der Betreuung von älteren und kranken Menschen besonders wichtig, meint Pflegedienst-Leiterin Rita Zimmer bei "Bonne Vie" an der Ülfestraße. Die Verkürzung der Zivildienst-Zeit auf sechs Monate sieht sie mit großen Besorgnis: "Das wäre ein tiefer Einschnitt in unsere Arbeit." Alleine die Einweisung und Vorbereitung neuer Zivildienstleistender – überall nur Zivis genannt – dauere zwei Monate, drei Wochen Urlaub hat der Zivi, rechnet die stellvertretende Einrichtungsleiterin vor. "Schon neun Monate sind eigentlich zu kurz. Gerade im sozialen Bereich ist eine längerfristige Bindung sinnvoll." Zimmer ist auf die kostengünstigen Helfer angewiesen: "Wir hoffen, dass die Zivis ihren Dienst freiwillig verlängern." Auch andere Einrichtungen stehen der Verkürzung kritisch gegenüber.

Großer Organisationsaufwand

Im Johanniter-Altenheim am Höhweg habe man "Glück", sagt Bernd Kottsieper, der Leiter der Senioren-Wohnanlagen – es gibt nur eine Zivi-Stelle. "Uns würde eine Umverteilung der Aufgaben daher nicht so schwer fallen wie einer Einrichtung mit vielen Zivis", erklärt Kottsieper. Doch auch er stellt fest: "Der Organisationsaufwand ist schon jetzt groß, um neue Mitarbeiter einzuarbeiten. Denn die jungen Menschen müssen nicht nur ihre Aufgaben kennenlernen, sondern oft auch geführt werden."

Uwe Kremers, Geschäftsführer der Diakoniestation im Wartburghaus, hat sich vorbereitet, die Konsequenz für die Verkürzung der Zivi-Zeit zu ziehen: "Wir haben für 2010 bereits eingeplant, 400-Euro-Nebenjobs einzurichten und eventuell die Zivi-Stellen abzuschaffen." Fehlende Kontinuität in der Betreuung und ein großer Organisations- und Vorbereitungsaufwand für Mitarbeiter, die nur sechs Monate bleiben: Dies stehe in keinem angemessenen Verhältnis, meint der Geschäftsführer.

Zurzeit habe man vier Zivi-Stellen. Vor allem um das Essen auf Rädern und die Begleitung von älteren und kranken Menschen bei Spaziergängen oder Besorgungen kümmern sich die Zivis. "Wir überlegen, diese Aufgaben an Aushilfen weiterzugeben, auch wenn man bedenken muss, dass wir diese nicht wie die Zivis ganztägig, sondern nur stundenweise einplanen könnten."

Ob die Verkürzung Einfluss auf die Freiwillige Feuerwehr hat, kann Leiter Wilfried Fischer noch nicht abschätzen. "Wir haben keine Mitteilung bekommen." Männer können bei uns einen "Ersatzdienst" ableisten. Der dauert sechs Jahre.

Hohe Motivation

Fischer geht von der Angleichung der Zeiten an: "In den 30 Jahren, die ich bei der Feuerwehr bin, war das immer so." Zurzeit leisten mehr als 20 Männer ihren Ersatzdienst. Fischer optimistisch: "Wir haben bisher die Erfahrung gemacht, dass sich die Betroffenen auch über ihren Pflichdienst hinaus für uns engagieren."

(RP)