Radevormwald: Benzindieben auf der Spur

Radevormwald: Benzindieben auf der Spur

Oft bleiben Radevormwalder Tankstellenbetreiber auf ihren Rechnungen sitzen. Die Kunden tanken voll und hauen einfach ab – ohne zu bezahlen. Dabei wird jeder Diebstahl angezeigt. Aber das schreckt viele nicht ab.

Es gibt Autofahrer, die haben ein neues Hobby entdeckt: Benzinklau. Zur Zapfsäule fahren, volltanken und abhauen – das Problem gibt es vermehrt auch in Rade. "Das kennen wir", bestätigt Ursula Schmitz von der Westfalen-Tankstelle. Je höher die Preise, desto mehr Diebe. "Wenn wir viel Betrieb haben, passiert es immer mal wieder", sagt sie. "Da gibt es Kunden, die holen fünf Brötchen und zahlen mit fünf Euro. Draußen haben sie aber für 30 Euro getankt", sagt sie.

Verfügt das Fahrzeug über ein reguläres Kennzeichen, ist die Ermittlung des Benzindiebes meist kein Problem. Jeder Diebstahl wird angezeigt. Alle Tankstellen sind videoüberwacht und geschützt. Vor drei Jahren hat die Westfalen-Tankstelle technisch aufgerüstet – "das volle Paket", sagt Ursula Schmitz. Sie stellt die Kameras so ein, dass sie alles über einen Bildschirm im Büro überblicken kann. War mal wieder ein Benzindieb da, schreibt der Kassierer alle Daten auf und brennt eine CD vom Überwachungsvideo.

Rechtslage ist eindeutig

"Wir müssen dem Dieb beweisen, dass er gestohlen hat", sagt Ursula Schmitz. Sei der Langfinger bekannt, versuche man es zunächst im persönlichen Gespräch. Schließlich könne es ja mal passieren, das Bezahlen zu vergessen. Lehne der Kunde endgültig ab, zu bezahlen, werde Anzeige erstattet. Die läuft über Polizei und Staatsanwaltschaft. "Das Geld kriegen wir dann meist erst nach einem Jahr von der Mineralölgesellschaft zurück", sagt Ursula Schmitz. Dabei sei die Rechtslage eindeutig: Sobald ein Kunde den Zapfhahn in der Hand hält, ist er verpflichtet zu zahlen. "Mit diesem Vorgang ist ein Kaufvertrag entstanden", erklärt Ursula Schmitz. Gerade hat sie zwei Fälle zu bearbeiten. Vier oder fünf liegen bei der Staatsanwaltschaft. Als "modernen Diebstahl" bezeichnet Beate Schneider, Stationsleiterin der Shell-Tankstelle, den Benzinklau. Sie macht die Wirtschaftslage verantwortlich. Im Schnitt zwei Fälle pro Monat zählt sie. In 90 Prozent der Fälle erhalte sie das Geld zurück. "Zehn Prozent Schwund müssen sie abschreiben."

Die Ausreden seien oft gleich: "vergessen", "ganz in Gedanken", "gar nicht gemerkt". Bei der Shell gibt es zwar seit zwei Jahren wieder einen Tankwart, "aber wenn zwölf Zapfpunkte belegt sind, wie soll er das alles überblicken?", fragt Beate Schneider. Geklaut werde zu jeder Tag- und Nachtzeit. Und das, obwohl die Überwachungskameras so gestochen scharfe Bilder machen, "dass ich die Qualität und die Farbe ihres Schnürsenkels erkennen kann", berichtet sie.

"Das ist eine Straftat"

Auch Veit Krämer muss sich mit Benzindieben rumschlagen. "Die kommen zwar nicht so schnell weg, weil wir nur eine Ausfahrt haben, aber das schreckt einige nicht ab", sagt er. Ausreden kann er nicht mehr hören. "Benzinklau ist eine Straftat", sagt Krämer. Meist seien es höhere Beträge, wenn der Tank schön voll gemacht wurde. Aber er hat festgestellt, dass die soziale Kontrolle an der Zapfsäule funktioniert. "Passiert ein Benzinklau, bin ich schon rausgegangen und habe andere Kunden befragt, die als Zeugen ausgesagt haben", berichtet er.

(RP)