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Rhein-Kreis Neuss: Werkstätten schaffen Arbeit

Rhein-Kreis Neuss : Werkstätten schaffen Arbeit

Die Werkstätten für Behinderte im Rhein-Kreis sind kein Verschlinger öffentlicher Gelder. Um das zu beweisen, haben sie sich an einer wissenschaftlichen Studie beteiligt. Die zeigt auch: Alternativen wären oft noch teurer.

An den beiden Werkstätten für Behinderte im Rhein-Kreis mit ihren mehr als 1500 behinderten Beschäftigten hängen 503 reguläre Arbeitsplätze. Allein das macht die Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) und die Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfB) in Hemmerden zu einem regionalen Wirtschaftsfaktor.

Trotzdem wird auch ihnen der Vorwurf gemacht, "Verschlinger" von Geldern der öffentlichen Hand zu sein. Um sie genau von diesem Vorwurf zu befreien, so GWN-Geschäftsführer Christoph Schnitzler, beteiligten sich sein Haus und die WfB an einer Untersuchung der Universität Eichstätt, in der die sonst im Umgang mit Sozialeinrichtungen oft geschmähte und verpönte Frage offen gestellt wurde: "Was kostet das?"

Eine Menge, muss die Antwort lauten. Aber es kommt auch eine Menge zurück. Vor allem aber macht die Studie deutlich, zog Landrat Hans-Jürgen Petrauschke am Donnerstag die Quintessenz, dass auch ohne Werkstätten erhebliche Kosten auf die Gesellschaft zukommen.

Selbst wenn die Menschen mit Behinderung im eigenen Elternhaus versorgt würde, wäre das unter dem Strich nicht billiger als ein Werkstattplatz, der momentan für jeden dieser Menschen mit 10 134 Euro jährlich zu beziffern ist. Ein Grund: Mindestens ein Elternteil könnte nicht in Vollzeit arbeiten und etwa Steuern erwirtschaften.

Was die Werkstatt gegenüber dieser Form der Unterbringung oder gegenüber einer (günstigeren) tagesstrukturierenden Einrichtung auszeichnet, ist der Faktor Arbeit. Arbeit im Sinne von Teilhabe am Erwerbsleben, als Möglichkeit, stolz auf die eigene Leistung zu sein.

Unter diesem Gesichtspunkt der Inklusion wäre die Auflösung der Werkstätten und die Überführung der Beschäftigten in Integrationsfirmen die beste Lösung. Wirtschaftlich wäre sie nicht.

Denn weil sich diese Firmen am Markt behaupten müssten, müsste die öffentliche Hand die geringere Produktivität der behinderten Mitarbeiter finanziell ausgleichen. Der jährliche Zuschuss pro Arbeitsplatz läge dann bei 13 561 Euro.

Preiswerter würde es nur, wenn 20 Prozent der Behinderten — also die Leistungsstärksten — in eine solche Firma gingen. Aber, so wurde am Donnerstag bei Vorstellung der Studie gefragt, gibt es so viele überhaupt?

Und: Fänden entsprechend viele Integrationsfirmen einen Platz im Gefüge der regionalen Wirtschaft? Die Folgen für die Werkstätten dagegen wären klar: Sie müssten wegen des Potentials des verbliebenen Personals viele Aufträge ablehnen.

(NGZ)