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Neuss: Shakespeare-Komödie mit viel Musik

Neuss : Shakespeare-Komödie mit viel Musik

Die Komödie "Much Ado about Nothing" (Viel Lärm um nichts) lebt von den schnellen Dialogen und der Schlagfertigkeit des Paares Benedikt und Beatrice. Das Londoner Globe Theatre on Tour zeigte in Neuss eine begeisternde Version.

Was sich liebt, das neckt sich. Und umgekehrt. Ob Shakespeare das Sprichwort kannte oder nicht: Er schuf mit seiner Komödie "Much Ado about Nothing" eines der schönsten Beispiele dafür, wie sehr es zutrifft. Benedikt und Beatrice lassen keine Gelegenheit aus, sich verbal an die Gurgel zu gehen. Ironie und Wortwitz kennzeichnen ihre Dialoge, keiner lässt sich die Butter vom Brot nehmen, sie passen zusammen wie Topf und Deckel.

Eindrucksvoll und vergnüglich zeigt die Inszenierung von Max Webster für die Londoner Truppe Globe Theatre on Tour beim Shakespeare-Festival im Globe, wie wunderbar die Komödie funktioniert. Wenn überhaupt etwas an der Bearbeitung auszusetzen ist, dann die Lautstärke beim Sprechen (offensichtlich dem größeren Londoner Globe angepasst) und die an manchen Stellen zu starke Theatralik. Denn auch eine als pures Volkstheater konzipierte Inszenierung verträgt durchaus mal leisere Töne.

Shakespeare hat vor mehr als 400 Jahren schon jenen Stil geschaffen, der Mitte der 1930er Jahre unter der Bezeichnung Screwball-Comedy im Film berühmt wurde. Spitzfindige Wortduelle zwischen Mann und Frau, ein Geschlechterkampf auf Augenhöhe, in dem jeder den anderen übertrumpfen will und damit so offensichtlich in Abrede stellt, was jeder andere sehen kann: Diese beiden passen hervorragend zusammen. Sie wissen es nur nicht.

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In einer konzertierten Aktion helfen ihnen die Freunde auf die Sprünge. Das weibliche Personal des Stücks macht Beatrice glauben, dass Benedikt unsterblich in sie verliebt ist, und das männliche Personal sorgt dafür, dass Benedikt solches von Beatrice denkt. Der Plan geht auf, und in den Gesichtern der Freunde spiegelt sich Schadenfreude. Ist doch die schönste Freude.

Webster verortet das Stück in den 1930er Jahren (als die Hoch-Zeit der Screwball Comedy beginnt) und macht aus dem ritterlichen Hof von Messina einen Gouverneurspalast, der auf der Bühne mit einem dreibogigen Tor markiert wird. Mehr Bühnenbild braucht es nicht, um die Geschichte abrollen zu lassen. Die Hecken und Büsche im Garten des Palastes reichen als Imagination, um das heimlich-belauschte und bewusst-geführte Gespräch als solches auch zu identifizieren. Obwohl: Hier einen Stuhl, dort eine Sackkarre mit Apfelsinenkisten dem Lauscher Benedikt als Sichtschutz hinzustellen, erwiest sich als kluge Idee. Vor allem, als Benedikt der Karre zu viel Schwung gibt, und die Apfelsinen über die Bühne und darüber hinaus kullern... Das Vergnügen der Zuschauer kennt kein Halten. Müßig zu fragen, ob das gewollt war. Wenn nicht: Es sollte eingebaut werden.

Simon Bubb gibt den Benedikt in einer wunderbaren Mischung aus Stolz, Eitelkeit und Charme, Emma Lawrence als Beatrice kann ihm jederzeit das Wasser reichen. Sie sind ganz und gar die komisch-weisen Figuren dieses Stücks, lassen ihren tragischen Gegenpart, das Liebespaar Hero-Claudio, naturgemäß hinter sich. Die Tochter des Gouverneurs und der Adelige aus Florenz verlieben sich Hals über Kopf. Aber wie heißt es doch: Glück und Glas ... Und so lässt sich Claudio von Don John einreden, Hero liebe einen anderen. Glaubt ihm und erteilt ihr plakativ vor dem Altar eine Abfuhr. Doch Unrecht Gut gedeihet nicht - gilt auch in diesem Fall. Der Übeltäter wird gefasst, das Liebes- doch zum Ehepaar. So herrscht zum Schluss Friede, Freude, Eierkuchen. Auf der Bühne wird getanzt und gesungen, und das Publikum klatscht sich schier die Hände wund.

Ach, Sprichwort um Sprichwort tut sich bei der Komödie auf. Wie eben "Viel Lärm um nichts" oder "Ende gut, alles gut" ...

(NGZ)