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Jugendensemble der Alten Post in Neuss zeigt Shakespeare-Komödie

Alte Post in Neuss : Shakespeare-Komödie als Zoom-Inszenierung

Das Jugendensemble der Alten Post rund um den Regisseur Dennis Palmen begeisterte mit seiner Online-Premiere des Stücks. Mit dieser Produktion möchte sich das Ensemble für das Theatertreffen der Jugend in Berlin bewerben.

Helena ist aufgewühlt: Sie hält einen fahrigen Monolog über ihre Gefühle, als sich unbemerkt die Gräfin von Roussilon (Yasmin Glymph) nähert: Erst hört sie dem Mädchen neugierig zu, ehe sie sich einschaltet: „Denkst du über einen Mann nach? “

Man kann sich gut vorstellen, dass diese Szene für die ersten Lacher im Publikum gesorgt hat. Hörbar waren die Reaktionen aber nicht. Es war nämlich eine ganz besondere Theaterpremiere, zu der das Jugendensemble der Alten Post am Freitag geladen hatte: Von zu Hause aus konnten sich die Zuschauer in eine Live-Aufführung von Shakespeares „Ende gut, alles gut“ einschalten und verfolgen, wie das Waisenmädchen Helena (Aleyna Korkmaz) das Herz ihres Pflegebruders Bertram (Tom Eichhorn) erobern möchte. Hilfe bekommt sie von dem schwer kranken König (Emil Saebe) und einer junge Wirtin (Sina Rohde). Der Regisseur Dennis Palmen hat die Komödie textlich bearbeitet und pandemiebedingt als Zoom-Aufführung inszeniert. Das kann man sich so vorstellen: Statt auf einer gemeinsamen Bühne steht jeder Darsteller zu Hause alleine vor einer Kamera – als Bühnenbild dient ein neutraler Hintergrund, mal war es eine weiße Wand, mal ein Bettlaken, das befestigt wurde. Die Szenen sehen aus wie Videogespräche: Wer aber nun denkt, dass eine solche Aufführung statisch abläuft, irrt: Da wäre etwa der schwer kranke König von Frankreich, der hustend durch das Bild spaziert, um wenig später erstaunt festzustellen, dass jemand geklopft hat. Die Narren Touchstone (Ida Parlings), Robin (Zaya Şahin), Grumio (Tom Eichhorn) und Dogberry (Sina Rohde) tollen und albern vor der Linse umher und als Helena sich als Dank für die Heilung des Königs einen Ehemann aussuchen darf, waren gleich mehrere Videosequenzen von eitlen Herren auf dem Bildschirm zu sehen. Noch mehr Dynamik kam in das Spiel durch Choreographien, die das Ensemble vorab unter Corona-Hygienebedingungen und einem negativen Testergebnis mit Stefanie Lenz und Finn Leonhardt aufgenommen hatte.

Besonders beeindruckend: Obwohl jeder Schauspieler in dem Live-Spiel in einem eigenen Bildschirmausschnitt gezeigt wurde, gelang es ihnen durch Mimik und genaue Abstimmung so miteinander zu agieren, als würde sie auf einer gemeinsamen Bühne stehen. Helena und Bertram strecken so beispielsweise ihre Arme aus, um über die Distanz hinweg Händchen zu halten. Und die Narren zeigen etwa Blumen in die Kamera, die ihnen ein anderer aus der Hand schlägt.

Rund 60 Teilnehmer waren es, die sich in diese besondere Premiere eingeschaltet hatten – statt Applaus gab es begeisterte Rückmeldungen aus dem Publikum per Wortmeldung oder im Chat. Mit dieser Produktion möchte sich das Ensemble für das Theatertreffen der Jugend in Berlin bewerben.