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Neuss: Mit 81 Jahren Facebook entdeckt

Neuss : Mit 81 Jahren Facebook entdeckt

Herbert Köller hat sein ganzes Leben lang Musik gemacht und seine Erlebnisse in Bildern festgehalten. Seine Fotos haben den Weg ins Internet gefunden, auf Facebook geben Köllers Schwarz-Weiß-Fotografien nun Hinweise auf die Neusser Geschichte, auf der Seite "Du bist Neusser, wenn...".

Für Herbert Köller ist der Neusser erst dann ein "echter Nüsser", wenn er im Schützenwesen aktiv ist. Köller hat in vielen Bands gespielt, in Blues-Gruppen genauso wie in der Prinzengarde Düsseldorf. Doch wenn er sich alte Videos von seiner Zeit als Kapellmeister der Hubertusschützen anschaut, gibt der agile 81-Jährige direkt wieder den Takt vor.

Herbert Köller hat der NGZ seine Alben gezeigt, mit Bildern von frivolen Auftritten wie in einer Bar in Kleinenbroich (links mit Köller am Bass) oder mit seinem Instrument, der Posaune, das er an der Robert-Schumann-Hochschule studierte. Einige Foto: lber

Sein Leben hat Köller in Bildern festgehalten, ein Album nach dem nächsten zieht er aus dem Regal, mit Fotos von der Zeit am Quirinus-Gymnasium, von Schützenfesten — über 50 Mal marschierte er mit — von Blues-Sessions, frivolen Auftritten in Bars bis hin zu Fotos von Orchesterkonzerten. Köller spielt 13 Instrumente, kann auch im Alter von 81 Jahren nicht von der Musik lassen. Er spielt im Seniorenorchester Kaarst, im Akkordeonorchester Giesenkirchen und musiziert mit Behinderten der Lebenshilfe — unter anderem. Viele Anekdoten kann er erzählen, zu Bildern, die seine langjährige enge Freundin Karin Odenthal bei der Facebook-Gruppe "Du bist Neusser, wenn..." eingestellt hat. Sie hatte in der Zeitung von der Nostalgie im Netz erfahren, und die Alben des 81-Jährigen durchgeblättert. "Das sind richtige Zeitzeugnisse", meint die 55-Jährige, die begeistert ist von der Welle Neusser Heimatverbundenheit, die derzeit im Internet Furore macht.

Erster Auftritt am Quirinus-Gymnasium – Köller als Clown. Foto: Herbert Köller

Köller ist im digitalen Zeitalter noch nicht angekommen, erzählt aber gern all die vielen Anekdoten, die zu den Fotos gehören. Auf einem Bild ist etwa die Hubertusschützenkapelle bei ihrem ersten Auftritt vor dem Neusser Rathaus zu sehen. "Zur Feier des Tages haben wir ein Pony eingespannt, dass die Pauken ziehen sollte", erzählt Köller. Doch kaum war der erste Schlag getan, ging das Tier durch. "Es rannte durch die Menge, immer mit den Pauken im Schlepptau", sagt Köller und erzählt lachend, wie sie das Pferd schließlich auf den Rheinwiesen wiederfanden. Ein Zeitzeugnis ist allerdings verschollen: Köller besitzt eine Abschrift des Neusser Heimatlieds, mit Widmung von Hubert Derrez. Die ist "abgespeichert" — nicht im Internet, sondern auf dem Speicher seines Hauses in Vorst.

(NGZ)