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Neuss: In Neuss fehlen 500 Kita-Plätze

Neuss : In Neuss fehlen 500 Kita-Plätze

Für viele Neusser Kinder beginnt heute das neue Kindergarten-Jahr. Für Unter-Dreijährige hat die Stadt 800 Betreuungsplätze geschaffen, mindestens 500 Plätze fehlen noch. Das zeigen die langen Wartelisten der Kitas.

Das Familienzentrum Heilige Dreikönige platzt aus allen Nähten: Alle 80 Kita-Plätze sind vergeben, darunter zehn Plätze für Kinder unter drei Jahren. "Rund 60 Kinder haben wir auf der Warteliste", sagt Thomas Dienstbier, stellvertretender Leiter der Kita. Gefragt sind insbesondere Plätze für die Unter-Dreijährigen, wie eine Umfrage der NGZ bei verschiedenen Kitas der Stadt gezeigt hat (siehe Grafik). "Wir brauchen dringend mehr U3-Plätze", sagt Angelika Linck, Leiterin der Evangelischen Kita Rosellerheide. 15 Unter-Dreijährige stehen derzeit bei ihr auf der Warteliste, während die Einrichtung für Kinder über drei Jahren sogar noch zwei Plätze offen hat.

Viele U3-Plätze von Älteren belegt

800 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren stehen in Neuss für dieses Kindergartenjahr zur Verfügung. Doch noch ist die Stadt weit davon entfernt, ihr ehrgeiziges Ziel einer Versorgungsquote von 43 Prozent zu erreichen — dafür fehlen noch 500 Plätze, wie der aktuelle Kita-Bedarfsplan der Stadt zeigt. Zwar gäbe es de facto schon mehr Kita-Plätze für Unter-Dreijährige, so etwa in der Kindertagesstätte der Elterninitiative "Weberstraße 88": "Wir könnten noch Unter-Dreijährige aufnehmen", berichtet Leiterin Annette Kramer-Mühlen. "Aber ich habe keine Genehmigung dafür." Denn dann käme die Kita dem Rechtsanspruch der Über-Dreijährigen in die Quere — und der muss derzeit vorrangig erfüllt werden. Dieses Phänomen spiegelt auch der Kita-Bedarfsplan wider: Theoretisch gibt es bereits 1011 Plätze für Kinder unter Drei, doch sie können wegen des Rechtsanspruchs älterer Kinder nicht belegt werden.

In anderen Kitas sind noch gar nicht die Voraussetzungen geschaffen worden, kleinere Kinder aufzunehmen. Etwa in der Evangelischen Kindertagesstätte Reuschenberg: "Unser räumliches Konzept entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben für U3", erläutert die Leiterin Ulrike Müller-Rütz. Damit sei die Einrichtung ein Auslaufmodell, so lange sie nicht modernisiert werde.

Sozialdezernent Stefan Hahn kennt das Problem: "Wir arbeiten mit Hochdruck an neuen Kita-Plätzen für Unter-Dreijährige", sagt er. Nicht umsonst habe die Stadt beschlossen, die vom Land NRW geforderte Betreuungsquote von 32 Prozent übertreffen zu wollen. "Ziel ist es, in Neuss eine Betreuungsquote von 43 Prozent zu schaffen", so Hahn. Er verweist auf Neubauprojekte in Allerheiligen, das kurz vor dem Abschluss steht, und im Barbaraviertel, wo in Kürze der Spatenstich erfolgen soll. "Gespräche für drei weitere Projekte in der Nordstadt und in der Innenstadt laufen bereits", fügt Hahn hinzu, der zudem auf zahlreiche Umbaupläne verweist, mit denen Kitas U3-tauglich gemacht werden. Bis dahin müssen die Eltern weiter warten, aus Verzweiflung melden viele ihre Kinder doppelt und dreifach an, wie viele Kita-Leiter bestätigen. Eine Alternative dazu wird gerade in der Verwaltung geprüft: Der Kita-Navigator, der Anmeldungen steuern soll. "Er könnte vielen Eltern Orientierung bieten", meint Hahn.

(NGZ)