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Neuss: Geruchserlebnis Bauernhof

Neuss : Geruchserlebnis Bauernhof

Von würzigem Sellerie über süßem Tannengrün bis zu stinkenden Duftpfählen gegen gefräßige Kanninchen – auf dem Hof von Thomas Küppers wird die Nase des Besuchers immer mal wieder gefordert.

Thomas Küppers reibt den Sellerie in seinen kräftigen, rauen Händen. Dabei entsteht ein ganz intensiver Geruch – ähnlich dem von Suppen-Brühe. Küppers betreibt einen Bauernhof im Neusser Norden. Er hat Felder, Hühner, Traktoren und einen kleinen Laden. Doch wie riecht eigentlich ein Bauernhof? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht: "Es gibt hier viele unterschiedliche Gerüche", sagt Küppers. Man muss also selbst "eine Nase nehmen".

Rund 800 Hühner hat Bauer Küppers auf seinem Hof. Foto: Woitschützke, Andreas

Das ist angenehm, wenn es darum geht, an frisch geernteten Erdbeeren zu schnuppern oder die Gerüche von Fenchel und Petersilie auf dem Feld zu erkunden. Das ist unangenehm, wenn man Dung riecht oder man lernt, warum Küppers seine Gurken mit Duftpfählen vor gefräßigen Kaninchen schützt – die Pfähle stinken bestialisch.

Weniger unangenehm ist der Geruch im Stall. Rund 800 Hühner hat Küppers. Davon leben etwa 500 in Boden- und 300 in Freilandhaltung. Letztere bleiben nachts und vormittags in ihrem Gehege. "Jedes Huhn legt ja jeden Tag ein Ei", sagt Küppers. Das erledigen die Nutzvögel im Stall. Hier riecht es nach Geflügel-Futter und Geflügel-Kot. Unangenehm ist das aber nicht. Außerdem lenken das laute Geschnatter der Hühner und das Krähen der drei Hähne ab. Küppers öffnet eine Klappe. Zwei Hühner schauen den 40-Jährigen verdattert an – sie wollen gerade Eier legen. Küppers macht die Klappe schnell wieder zu.

Weiter geht es in die Scheune. Dort wurden an diesem Morgen die Kartoffeln sortiert. Es ist ein eigentümlicher Geruch: Irgendwie mehlig und herb. Sonst stehen dort Geräte. "Im Moment ist alles draußen und in Bewegung", sagt Küppers, der mitten in der Getreideernte steckt. Draußen hat er aber nicht nur klassische Felder, sondern auch einen Wald. Dort wachsen Tannen für die Weihnachtszeit. Der angenehme Geruch von frisch gemähtem Rasen weht vorbei, bevor die Tannen ihren süßlichen Duft entfalten. Im Alter von vier Jahren werden die Sämlinge gekauft, erklärt Küppers. "Normalerweise stehen die dann noch mal zehn Jahre bei uns." Vor Weihnachten könne man sich bei ihm im Wald eine Tanne aussuchen, die dann vor den Augen des Kunden geschlagen wird.

Die Tour über den Bauernhof endet in der Maschinenhalle. Dort stehen Traktoren, Kartoffelvollender, Sähmaschinen – alles, was das Bauernherz begehrt. Ein leichter Öl-Geruch dringt in die Nase und dann noch etwas: eine Mischung aus verschmortem Gummi und brennendem Holz – nicht die beste Vorstellung für einen Bauern. Küppers nimmt's gelassen: "Das ist nicht von uns", sagte er. "Vielleicht grillt wieder einer der Nachbarn."

(jahu)