Das Kulturforum Alte Post in Neuss zeigt Bilder von Avraham Eilat

Fotoausstellung im Kulturforum Alte Post in Neuss: Ein anderer Blick auf andere Künstler

Avraham Eilat hat sich in seinem Werk oft mit anderen Kunstschaffenden auseinandergesetzt. Herausgekommen sind verdichtete und entfremdete Porträtfotos, die die Alte Post ab Sonntag in der Ausstellung „People I met“ zeigt.

Es gibt mindestens zwei sehr gute Gründe, sich die Ausstellung „People I met“ in der Alten Post anzuschauen, die am Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet wird. Im Mittelpunkt stehen die Fotos des international bekannten Künstlers Avraham Eilat. Seine Hauptmotive sind ausschließlich Künstler. Kurator Klaus Richter hat die Schau der knapp 40 Fotos um eine weitere Attraktion angereichert: Er trug Exponate von etlichen Kunstschaffenden zusammen, die von Avraham Eilat porträtiert worden waren.

Vorab kurz einige Daten zu Eilat: Der 80-Jährige, der sich vor allem mit seiner Multimedia-Kunst einen Namen gemacht hat, wuchs in Israel auf, wo er auch lebt und arbeitet. Er studierte in Tel Aviv, Paris und London. Durch die Städtepartnerschaft zwischen Düsseldorf und Haifa kam er immer wieder an den Rhein, und er wird auch zur Vernissage anwesend sein. Avraham Eilat war einer der ersten israelischen Künstler, die sich an dem Austausch zwischen Düsseldorf und Haifa beteiligten, war so etwas wie ein Eisbrecher – aufgeschlossen und politisch moderat. Bekannt geworden ist er unter anderem durch seine zum Teil begehbaren Plastiken.

In der Alten Post sind aber ausschließlich Fotografien gesehen . Die können in zwei Kategorien eingeteilt werden. Etwa in die Aufnahmen von Künstlern, denen Avraham Eilat begegnet ist und die ihn auf irgendeine Weise interessiert, vielleicht sogar begeistert haben. Er setzte sich jeweils ausführlich mit ihnen auseinander, seine Fotos sind keine Schnellschüsse. Das Gesicht allein genügt ihm nicht, er bringt die Künstler, von denen einige auch einen engen Bezug zu Neuss haben, in Verbindung mit ihrer Kunst. Eine weitere Werkgruppe zeigt die Menschen in einem Umfeld, in dem sie leben und arbeiten. Hier greift der 80-Jährige jedoch stärker in die Fotografie ein, arbeitet viel mit Bildbearbeitungsprogrammen. Das Ergebnis ist das Abbild des Kunstschaffenden und ein Bildhintergrund, der die Realität als Grundlage hat, die dann aber oftmals verdichtet wird – eine Essenz dessen, was den Künstler aus Sicht von Avraham Eilat ausmacht. Die Porträts verfremdet er dabei auch gelegentlich: Hier wird ein Gesicht blau, da wandert ein Auge an die Seite des Gesichts.

Ein Beispiel für die weniger bis kaum bearbeiteten Exponate ist das Bild von Annette Wimmersdorf, einer Künstlerin aus Düsseldorf. Ihr nachdenklicher Blick als eine Art Markenzeichen ist ebenso eingefangen wie eine ihrer typischen Papierarbeiten. Klaus Richter gelang es, eine Arbeit aus diesem Zyklus aufzutreiben und über dem Foto zu platzieren. Auch der Neusser Künstler Amit Goffer ist mit dabei – zum Foto gehört eine von ihm geschaffene Skulptur aus Holz und Stein mit eingebautem Sound. Seine Ehefrau Vera Lossau, die ebenfalls ihr Atelier in Neuss hat, ist mit einem Foto von Eilat und einer reliefartigen Arbeit der Künstlerin selbst vertreten. Die Fotos mit den stark bearbeiteten Hintergründen, haben zum Teil sehr große Formate.

Konrad Klapeck brachte Eilat in Zusammenhang mit einer Tastatur mit jüdischen Schriftzeichen. Die Schriftzeichen stehen in Zusammenhang mit der Flöte, auf der ein Mann spielt – Schrift und Musik haben miteinander zu tun. Klaus Richter gelang es, von dem in einem jüdischen Elternheim in Düsseldorf lebenden Klapheck eine kleine Radierung aufzutreiben. Susanne Hille, eine Performance-Künstlerin aus Düsseldorf, verlieh Avraham Eilat ein wehendes Gewand. Es wird kombiniert mit einem ihrer Objekte, das an eine Fliegenklatsche erinnert. Susanne Hille ist übrigens auch Sängerin und wird am Sonntag eine Kostprobe ihres Könnens geben.

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