Kaarst: Kardiologin hält Vortrag über Frauenherzen

Vortrag in Kaarst: Ärztin klärt über Herzerkrankungen bei Frauen auf

Die Neusser Kardiologin hat bei einem Vortrag in der VHS über die Gefahren für Frauen mit Herzerkrankungen gesprochen.

Die Gleichstellungsbeauftragte Sigrid Hecker hatte sich zum Internationalen Frauentag etwas ganz Besonderes einfallen lassen: „Schlagen Frauenherzen anders?“, lautete der Vortrag von Barbara Lüthen , die in Neuss als Kardiologin praktiziert, in den Räumen der Kaarster Volkshochschule. Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Wenn es um eines der wichtigsten, wenn nicht gar das wichtigste menschliche Organ geht, gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Das beginnt damit, dass die Herzen bei Frauen kleiner sind als bei Männern. Und wenn sie wegen Herzproblemen einen Arzt aufsuchen, vermutet dieser eher als bei einem männlichen Patienten psychosomatische Beschwerden. „Tatsächlich sind Frauen psychisch etwas anfälliger“, erklärte die Ärztin. Ihr Herz schlage im Schnitt zehnmal mehr pro Minute als bei einem Mann. Die Östrogene einer Frau seien ein guter Herzschutz, das Risiko beispielsweise einen Herzinfarkt zu erleiden, steige deshalb ab den Wechseljahren. Dann holen die Frauen gegenüber den Männern mächtig auf. Sehr riskant ist die Einnahme der Antibabypille für Raucherinnen: „Junge Frauen, die rauchen, wissen gar nicht, was sie sich da antun“, sagte Barbara Lüthen. Schädlich sei aber auch zu viel Cholesterin, es führe zu Gefäßverengungen. Frauen seien außerdem durch den Spagat zwischen der Berufsausübung und der Haushaltsführung stärker belastet als Männer. Wenn sich ein Herzinfarkt ankündigt, empfänden Frauen dies anders als Männer angesichts eher unspezifischer Symptome wie ein „schlechtes Gefühl“. Die Empfehlung der Ärztin: „Bei unklaren Beschwerden zwischen Nabel und Nase umgehend eine Tablette ASS 500 einnehmen und die 112 wählen.“ Und sie hatte eine positive Botschaft für Frauen, die schnell genug reagieren: „Die Sterblichkeitsrate nach einem Herzinfarkt ist in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte gesunken.“

Frauen zeigten etwas mehr Neigung zu Herzrhythmusstörungen, auch ihr Schlaganfallrisiko sei höher. Wichtig sei es, die Blutdruckwerte im Blick zu haben. Leider ist nach dem Infarkt vor dem Infarkt. Barbara Lüthen empfahl, schon frühzeitig Östrogene über die Haut zuzuführen und warnte vor falscher Ernährung: Zu viel Zucker beispielsweise mache das Blut klebrig und verstopfe große und kleine Gefäße. Sie empfahl regelmäßige Bewegung und ging auf das Phänomen „Gebrochenes Herz“ ein, das nicht nur im deutschen Schlager und in Liebesromanen, sondern auch in der Realität vorkommt: „Nach schwerer psychischer Erregung ziehen sich die Gefäße bei Frauen extrem zusammen.“ Durch eine Herzinfarkt-Therapie bilde sich dieser Effekt langsam wieder zurück. Auch die Gene spielen eine große Rolle bei Herzerkrankungen: „Was die Eltern hatten, ist ganz wesentlich“, sagte die Kardiologin.

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