Neuss: "Herz der Finsternis" feiert Premiere im RLT

Theaterstück in Neuss: „Herz der Finsternis“ feiert Premiere im RLT

Der gleichnamige Roman von Joseph Conrad kommt auf die Bühne. Das Stück spielt im Kongo.

Die nächste Premiere des Rheinischen Landestheaters führt tief nach Afrika. „Herz der Finsternis“ ist die Bühnenfassung des gleichnamigen Romans von Joseph Conrad. Darin geht es um die Reise des Seemanns Marlow in den Kongo, damals belgisches Kolonialreich und „Privateigentum“ des Königs Leopold II. Als Kapitän eines Dampfschiffs soll Marlow auf dem Fluss Kongo einen mysteriösen Handelsagenten namens Kurtz aufspüren. Dieser soll der erfolgreichste, aber zugleich auch der brutalste Elfenbeinhändler seiner Gesellschaft sein.  Die düstere Reise diente Francis Ford Coppola 1979 als Vorlage für den Film „Apokalypse Now“. Regie des RLT-Abends führt dessen Intendant Reinar Ortmann, der den Roman selbst für die Bühne adaptiert hat. „Wir bringen keinen Dampfer auf die Bühne“, erklärt er beim Vorgespräch. „Unser Ziel ist es, das innere Geschehen der Figuren zu veräußerlichen. Und wir fragen: was ist denn das Herz der Finsternis?“. Joseph Conrad, so lautet die Lesart Ortmanns und seines Dramaturgen Sebastian Zarzutzki, wollte er zeigen, welchen Verwandlungen die weißen Kolonisatoren auf dem dunklen Kontinent unterworfen waren. „Sie legten alles Europäische ab und wurden zu kafkaesken Figuren“. Ein weiteres Thema der Inszenierung ist das Zeitempfinden, das den handelnden Personen auf der Flussreise immer mehr verloren ging. Und natürlich die alles dominierende Gestalt des Agenten Kurz. „Bei dessen messianischem Charakter greifen wir auf Texte von Friedrich Nietzsche und dem Kongo-Forscher Henry Morton Stanley zurück“, heißt es von Ortmann und Zarzutzki.

Der Roman wurde nicht komplett dialogisiert, es gibt auch Erzählpassagen. Fünf Darsteller teilen sich das Geschehen, darunter eine Frau. Sie alle sind zugleich auf der Bühne, sie alle verkörpern den Seemann und Ich-Erzähler Marlow. Und wo ist der mysteriöse Kurtz? „Einer der Marlows verwandelt sich zum Schluss in Kurz. Vorstellbar ist, dass Beide jeweils ein Alter Ego des Romanautors Joseph Conrad sind.“

(CC)
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