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Neuss: Absagen: Hilfe für den Further Abend

Neuss : Absagen: Hilfe für den Further Abend

Die St. Sebastianus-Bruderschaft musste ihr Programm kurzfristig ändern, weil Interpreten andernorts gegen Gage Verpflichtungen eingehen konnten. Die Schützen halten trotzdem an ihrem Konzept der Ehrenamtlichkeit fest.

Das Duo "S + Z" muss am Samstag "den Kölner Karneval in Goch vertreten", wie Werner Zok nicht ohne Stolz mitteilt. Denn die Krankheit des Kölner Karnevals-Interpreten Marc Metzger ("Blötschkopp") und die Absage aller seiner Sessionstermine führt zu einem großen "Ringtausch", der das Neusser Redner-Duo zwar dazu bringt, Bernd Stelter in Goch zu vertreten (der wiederum andernorts für Marc Metzger einspringt), dies aber andererseits Auswirkungen auf das Programm des Further Abends der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft hat. Und das ist nicht die die einzige Änderung.

"Die Beiden haben mir gesagt: Da können wir viel Geld verdienen", berichtet Heinz-Dieter Nehr, der am Samstag durch das Programm führen wird, zu den Hintergründen dieser Absage. "Und ich habe gesagt: Dann geht Geld verdienen." Denn gerade das ist beim Further Abend nicht zu holen. Der einzige, der bei diesem Heimatabend für den guten Zweck anschließend eine Rechnung schreibt, sei der Disc-Jockey, sagt Nehr. Selbst die Kapelle, die es noch vor zwei Jahren gegeben habe, wurde eingespart. Nehr: "Wir brauchen keine Kapelle für 1000 Euro, die nur dreimal ,Tätä' macht."

Ein Programm "von Furthern für Further" zeichnet diesen Abend aus. Das weiß auch Heinz Langlitz, der als "'ne Fooder Jong" in die Bütt geht. Langlitz hat seine Bühnenkarriere eigentlich vor Jahren beendet und macht keinen Sitzungskarneval mehr. Dennoch sprang er ein, als der Bruderschaft nach der Band "De Bajaasch" auch Christian Ihben mit seinem Duo "Alpen-Sterne" als Programmpunkte ausfielen — obwohl die "Sterne" schon vor Weihnachten in Werbeheften im Programm ausgewiesen waren. "Wir hatten aber nie zugesagt", stellt Ihben klar. Er ist mit einer Blaskapelle in Grimlinghausen engagiert. Die Nachfrage beim Künstlerstammtisch "Kappesköpp", dem Stammtisch Neusser Karnevalsinterpreten, konnte da keinen Erfolg mehr bringen. Langlitz: "Da war die Session schon vier Wochen alt und alle Engagements getroffen."

Ist die Zeit, einen Abend mit buntem Programm alleine auf ehrenamtlicher Basis zu bewerkstelligen, auf der Furth abgelaufen? Nein, sagt Rolf Stein. "Das wäre eine Umkehrung der Veranstaltung", betont der Schützenpräsident, der den Further Abend eben nicht mit einer Karnevalsveranstaltung gleichgesetzt sehen möchte. Tatsächlich ist dieses Fest auch in seiner zwölften Auflage ein Heimatabend, bei dem auch viel Raum bleiben soll für Gespräche.

Während der Abend also auch davon lebt, dass Darsteller ehrenamtlich auftreten, hat Stein andererseits Verständnis dafür, wenn jemand, der für ein Engagement andernorts etwas Geld verdienen kann, dieses Engagement vorzieht. Aber er bleibt dran. "Die Alpen-Sterne hätten wir gerne gehabt. Das sind Ur-Further."

Doch mit den Furthern alleine geht es auch nicht. Weil eine Gruppe der Frauengemeinschaft, die 2012 noch im Programm war, absagte, sprang das Männerballett vom Freundeskreis St. Cornelius ein. Es kommt aus Erfttal.

(NGZ/rl)