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Nettetal: Wie die Hose bei Frauen in Mode kam

Nettetal : Wie die Hose bei Frauen in Mode kam

Im Textilmuseum "Die Scheune" eröffnete gestern die Ausstellung "Der Erste Weltkrieg und die Mode". Anhand von Bekleidung, Bildern und Texten erklärte Walter Tillmann, wie die Hose die Frauenwelt eroberte.

Freiwillig wollten die Frauen ab 1914 die Hose nicht anziehen. Denn sie galt schlichtweg als das Symbol des Mannes. Doch die Männer zogen in den Krieg, die Frau musste plötzlich die Aufgaben ihres Vaters, Mannes, Sohnes übernehmen - und damit auch dessen Bekleidung. Das Seidenkleid mit Spitze, Haken, Bändern und auch die riesigen Hüte verschwanden im Schrank. "Die Hoffnung war, dass der Krieg nicht lange dauern würde und dass die Pariser Mode nur kurzzeitig beiseite bliebe", sagte Walter Tillmann bei der Ausstellungseröffnung im Textilmuseum "Die Scheune" gestern in Hinsbeck.

Im Jahr 1912 trugen die Damen enge Korsetts, feine Kleider mit Glasperlen, bestickte Ärmel und Gürtel mit Schleife. "Diese nannte man Libertygürtel - ich vermute, dass es ironisch gemeint war", erzählte der Textilingenieur.

Zusammen mit seiner Frau Hildegard, Hans-Willi Lermacher und Dr. Rainer Lorenz hat Walter Tillmann neben Unterwäsche, einem braunen Herrenjackett, Taufbekleidung und weißen Spitzenschürzen auch zahlreiche Informationen in Textform sowie Bilder von der Mode aus der Zeit des Ersten Weltkrieges zusammengetragen, der vor 100 Jahren begann. "Wir haben die wichtigsten zusammengestellt, alles in einer kleinen Ausstellung", so Tillmann.

Zunächst gingen die Bekleidungsgeschäfte zu Beginn des Krieges davon aus, dass es nur kurzzeitig einen Nachschubmangel geben würde, doch die Kleidung für die Soldaten wurde wichtiger als die fürs Volk. "Wir brauchen keine Seidenkleider, sondern Schießbaumwolle, das war der Tenor", sagte Tillmann. Die Hose als "neues" Bekleidungsstück anzunehmen, fiel den Frauen der damaligen Zeit schwer. Kurzerhand versahen sie die Hosen mit einem Gummizug, so dass das Kleidungsstück aussah wie ein Rock und für die Feldarbeit zur Hose umgewandelt werden konnte. "1917 war ein strenger und entbehrungsreicher Winter, neue Rohstoffe für Bekleidung mussten gewonnen werden", erklärte Tillmann. Holz wurde zu Papier und daraus entstand ein Papiergewebe, das gefärbt, gebleicht und bedruckt wurde.

Die Herrenmode änderte sich vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zunächst wenig: Sie trugen einen Sakko- oder Jackettanzug mit engerem Hosenbein und breiteren Umschlägen. Die "Hochwasserhose" wurde zur Mode. "Und grundsätzlich gingen sie nur mit Hut auf die Straße", so Tillmann.

Während die Knaben selbst gestrickte Matrosenanzüge trugen, mussten sich die Mädchen mit der "günstigen Version" von der Mutter zufrieden geben.

(janj)