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Nettetal: Ein paar Haushaltsgeräte reichen Tillmann zur Demonstration

Nettetal : Ein paar Haushaltsgeräte reichen Tillmann zur Demonstration

Der Viersener Textilingenieur zeigte im Textilmuseum "Die Scheune" die weitere Verarbeitung von Leinsamen nach der Flachsernte.

Leinsaat gehört zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschheit. Leinsamenbrot und Vollkornbrot mit Leinsamen wird auch heute zur gesunden Ernährung empfohlen. Fein aufgebrochen, erreichen die Wirkstoffe darin schnell Magen und Darm und können dort bei Entzündungen ihre heilende Wirkung entfalten. "Leinsamen kommen beispielsweise als natürliches Heilmittel, zur Ölproduktion oder als Körner im Müsli zum Einsatz", erklärte Walter Tillmann am Textilmuseum "Die Scheune" leider nur wenigen Besuchern, die zur Weiterverarbeitung des Flachs gekommen waren.

Nach dem "Raufen", bei dem die Halme ausgerissen werden, wurden vor zwei Wochen beim "Riffeln" die Samen abgestreift. Am Sonntag wurden die Samenkapseln geöffnet. Im niederrheinischen Flachsland war Leinsamen das begehrte Nebenprodukt vom Flachsanbau. Die Körner wurden in Öl- und Kornmühlen gepresst oder gemahlen. "An der Schwalm und ihren Nebenbächen gab es auf circa 20 Kilometer Länge zwischen Wegberg und Brüggen-Dilborn einst 30 Mühlen. Die Ölproduktion war zeitweilig so groß, dass Schwalm-Öl den Marktpreis in Köln und Antwerpen bestimmte", erklärte Tillmann.

"Eine kräftige Radwelle übertrug die Drehbewegung des Wasserrades in die Mühle, dort wurde das Mahlgut zerkleinert. Der ölige Mahlbrei wurde in Säckchen in eiserne Pressringe gefüllt. Kräftige Pressstempel, die vom Mühlenantrieb in die Höhe gezogen wurden, pressten das Leinöl aus dem Mahlgut", erläuterte Tillmann. Er hatte eine Backrolle, zwei Siebe, Schüsseln, eine Kaffeemühle und einen Föhn bereitgelegt. Mit der Backrolle zerkleinerte er die Kapseln, die durchgesiebt wurden und mit dem Föhn von einer Schüssel in die andere "geweht" wurden. "Auf dem Boden finden Sie kein einziges Samenkorn mehr", erklärte Tillmann.

Dann wurden die Samenkörner in der Kaffeemühle gemahlen, und die Besucher durften den frischen Samen probieren. Iris Herfort, Gotthard Pahl sowie Rosemarie Höffken-Becker waren begeistert. "Wir geben immer Leinsamenkörner ins Müsli", sagten sie.

im nächsten Schritt sollen die Flachsstängel, die im Textilmuseum gelagert sind, in den Flachskuhlen geröstet werden.

(ivb)