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Nettetal: Richtung Holland, vor der Grenze rechts

Nettetal : Richtung Holland, vor der Grenze rechts

Kaplan Dr. Marek Bednarski vertritt bereits zum zehnten Mal die Geistlichen in Breyell, Schaag und Leutherheide. Der polnische Priester lernte Deutsch und knüpfte enge Kontakte nach Nettetal. Zurzeit studiert er in Rom.

Kürzlich kam Dr. Marek Bednarski nach Breyell, um in den Pfarrgemeinden St. Lambertus Breyell, St. Anna Schaag und St. Peter und Paul Leutherheide während der Urlaubszeit seelsorgerische- und Messdieneraufgaben wahrzunehmen. Der beliebte Kaplan ist damit bereits zum zehnten Mal in Breyell. "Das ist ein kleines Jubiläum", sagt er.

Bednarski erinnert er sich noch gut an seine erste Ankunft in Breyell. "Ich konnte kein Wort Deutsch sprechen und wusste nicht, wie ich von Polen aus nach Nettetal kommen sollte: Autobahn Richtung Holland und kurz vor der Grenze rechts, mehr wusste ich nicht", sagt er lachend. Fast 14 Stunden habe er für seine erste Fahrt gebraucht. Heute sei die Fahrzeit kürzer, denn zum einen verfahre er sich nicht mehr und zum anderen seien die Autobahnen in Polen besser ausgebaut worden, erzählt Kaplan Bednarski, den alle nur Marek nennen.

Vor zehn Jahren knüpfte Pfarrer Günter Puts den Kontakt zum Priesterseminar in Elk, der polnischen Partnerstadt von Nettetal. Diese Kontakte haben sich vertieft und vor allem auch erweitert. Seitdem fahren beispielsweise jährlich etliche Nettetaler in die Partnerstadt, wo sie an den Feierlichkeiten einer Priesterweihe und der Primiz von Seminaristen teilnehmen.

"Aufgenommen" in Breyell wurde Marek Bednarski in den ersten Jahren von Marianne Wefers, die ihm die deutsche Sprache ein wenig näher brachte. Heute ist Kaplan Bednarski bei Marie-Theres Siemes "zu Hause". "Dabei habe ich mich damals noch für einen anderen Seminaristen entschieden", berichtet sie. Heute sind beide ein Herz und eine Seele. Sie kocht ihm sein Lieblingsgericht Sauerbraten, und abends gibt es extra für Marek Kartoffelsalat.

Die Breyellerin war schon mehrere Male in Polen. Die Gastfreundlichkeit der Menschen schätzt sie. "Die Polen sind anders als wir Deutschen, sie freuen sich noch mit dem Herzen. Man kann auch abends um elf Uhr noch zu ihnen kommen und ist immer willkommen", sagt sie aus eigenen Erfahrungen. Mit Hilfe des Schaagers Heinz Hubert erlernte Marek Bednarski schnell die deutsche Sprache und fand sich vor allen Dingen mit der deutschen Mentalität bald zurecht.

Zurzeit wohnt der Kaplan in Rom, nur wenige Gehminuten vom Papst entfernt. Er studiert Hebräisch, Griechisch und arabische Sprachen und promovierte vor sechs Jahren. Nach Abschluss seines Studiums will er nach Elk zurückkehren und am Priesterseminar tätig sein. "In Polen gibt es keine Kirchensteuer. Katholische Kindergärten und Schulen kommen langsam auf", sagt er. Den Unterschied zu Deutschland beschreibt er unter anderem so: "In Deutschland ist alles geplant, der ganze Tag." Dafür sei die Zahl der Kirchgänger in Polen um 35 Prozent höher als in Deutschland, meint er.

"Die Polen sind sentimentaler, sie suchen den gemeinschaftlichen Kontakt zu Gott, die Menschen erwarten mehr im Sinne des Glaubens von der Kirche", sagt er. Ob sie alle gläubig sind, wisse aber nur Gott, fügt er lächelnd hinzu. Die kirchlichen Begegnungen in Polen seien intensiver, "die Polen gehen gerne in die Kirche", stellt er fest.

Mitte September endet sein Vertretungsdienst. Dann fährt er zuerst nach Elk, um seine Familie zu besuchen, bevor es nach Rom zurückgeht.

(ivb)