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Nettetal: Smartbau hat nach dem Brand Tritt gefasst

Nettetal : Smartbau hat nach dem Brand Tritt gefasst

Bei dem Großbrand vor einer Woche in Kaldenkirchen verlor das Unternehmen von Martin Niethen und Christian van Geul den kompletten Lagerbestand. Die beiden wollen nicht aufgeben.

Martin Niethen und Christian van Geul standen vor genau einer Woche vor dem Nichts. Der verheerende Brand in der Lagerhalle an der Leuther Straße vernichtete ihren gesamten Lagerbestand an Dämmplatten ihres noch vergleichsweise jungen Unternehmens Smartbau. Doch für Depression hatten beide keine Zeit. "Ich habe noch während des Feuerwehreinsatzes herumtelefoniert, um herauszufinden, wer uns kurzfristig beliefern könnte", sagt Martin Niethen.

Jetzt, eine Woche später, sieht die Welt für die beiden Unternehmenspartner wieder anders aus. Sie haben eine neue Lagerhalle an der Poststraße 70 in Kaldenkirchen angemietet, die ersten Dämmplatten sind angeliefert, und gestern beluden sie einen Sattelzug mit einer Partie, die ursprünglich am vergangenen Mittwoch auf die Reise hätten gehen sollen. "Wir sind von Freunden und Bekannten enorm unterstützt worden, es gab eine Reihe von Hilfsangeboten. Es ist beruhigend zu wissen, dass man in einer Ausnahmesituation nicht allein dasteht", sagt Martin Niethen.

Den vergangenen Mittwoch hat er fast fotografisch genau in der Erinnerung. Mit van Geul hatte er morgens innerhalb der Lagerhalle eine Partie Dämmplatten so umgeräumt, dass sie um 13 Uhr auf einen Lkw verladen werden konnten. "Ein bisschen Tetris ist das: Man holt was aus einer Ecke und schiebt was wieder hinein", erklärt Niethen. So entstand eine Gasse zwischen den Dämmplatten, damit alles zügig verladen werden konnte. Als die beiden Männer nach der Mittagspause in die Halle kamen, sahen sie nur noch einen "feurigen Klumpen" im hinteren Hallenbereich durch die Decke tropfen, direkt auf die mit Holz verstärkten Platten. Zuvor hatten sie "etwas Rauch, wie bei einem Diesel, den man anlässt", oberhalb des Daches gesehen.

Alles ging sehr schnell, die Feuerwehr kam, Polizei traf ein und notierte sich Daten, und die beiden Männer mussten hilflos mit ansehen, wie sich ihr Lagerbestand buchstäblich in schwarzen Rauch auflöste. Noch während des Brandes telefonierten sie verzweifelt herum, um den Verlust ihrer Platten möglichst schnell auszugleichen.

Martin Niethen ist erfahren in Marketing und Vertrieb, er war einst bis nach Ostasien unterwegs. Christian van Geul kommt aus der Baustoffbranche. Vor drei Jahren gründeten sie die Smartbau GmbH & Co. KG mit einer an sich simplen Idee: Sie kaufen Produkte zweite Wahl und fehlerhafte Bestände namhafter Hersteller in Deutschland, Österreich, Benelux und Spanien auf, die sie an Privatleute und Dachdecker im In- und Ausland weiterverkaufen. Der Handel mit den Platten, die zur "Aufdach-Dämmung" dienen oder unter Estrich gelegt werden, läuft fast ausschließlich über das Internet. "Die Platten erfüllen alle Normen und sind auch nicht schnell entflammbar. Wie das Feuer entstand, wissen wir nicht. Aber als es einmal brannte, erfassten die Flammen den gesamten Bestand", berichtet Niethen.

Froh sind die beiden Männer, dass ihre Lieferanten in der Notlage sofort bereit waren zu helfen. Glücklich sind sie darüber, dass eine Lagerhalle der früheren Spedition Thelen an der Poststraße 70 im Handumdrehen verfügbar wurde. Mit Vermieter Heiko Meertz waren sie sich schnell einig, am Wochenende halfen Freunde und Bekannte dabei, die Halle herzurichten. So musste beispielsweise eine Untersuchungsgrube in der früheren Fahrzeughalle abgedeckt werden. Provisorisch weist an der Straße schon ein Schild auf Smartbau hin.

"Es muss jetzt einfach weitergehen, die Basis dafür ist gelegt", meint Martin Niethen. Abzuwarten bleiben die Ergebnisse der polizeilichen Untersuchungen und wie Versicherungen den Schadensfall abwickeln. Aber das Geschäft soll weitergehen.

(RP)