Nettetal: Unabhängig sein von Großen

Nettetal: Unabhängig sein von Großen

Die Stadtwerke Nettetal kooperieren mit der Südwest Strom AG. Geschäftsführer Norbert Dieling verteidigt die Absicht, sich an einem Steinkohlekraftwerk zu beteiligen. Er schielt auf ein Invest für einen Offshore-Windpark.

Den Wirbel, den die Grünen kürzlich wegen der Beteiligung an einem Kohlekraftwerk entfachten, kann Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Dieling nicht so recht nachvollziehen. "Das Thema ist aus einem Gesamtzusammenhang herausgerissen worden und muss auch vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass wir uns möglichst nicht in die Hände der Fast-Monopolisten am Energiemarkt begeben wollen", sagt er.

Die Grünen kritisieren, dass das Unternehmen Geld in den Neubau eines Kohlekraftwerks in Brunsbüttel stecken will. Davon rücken sie im Prinzip nicht ab, auch wenn sie einräumen, dass die Stadtwerke einige Anstrengungen für regenerative Energien unternehmen.

In Brunsbüttel steht ein Atommeiler, der demnächst abgeschaltet wird. Die Südwest Strom AG, ein Zusammenschluss von Stadtwerken überwiegend aus Süddeutschland, will dort ein Kohlekraftwerk bauen. Die Netz-Infrastruktur ist vorhanden. Das Unternehmen hat sich die Rechte für alle Kapazitäten des Tiefenhafens gesichert, damit die Kohlenschiffe dort löschen können. Das erspart den Landweg vom Hafen Rotterdam. Das Wasser ersetzt zudem den klassischen Kühlturm solcher Anlagen.

5 MW Beteiligung

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Die Stadtwerke möchten sich mit bescheidenen 5 Megawatt (MW) am 2x900 MW-Kraftwerk in einer Kommanditisteneinlage beteiligen (ein MW wird mit 200 000 Euro taxiert). Die ab 2013 geltenden Emmissionszertifikate sind schon eingepreist, erklärt Dieling – berücksichtigt sei auch die mögliche Laufzeitverlängerung des Atommeilers.

"Wir streben in Nettetal eine möglichst weitreichende Unabhängigkeit von den großen vier Stromversorgern an. Es geht um die Sicherstellung dauerhafter und preisgünstiger Energieversorgung. Für das angestrebte Volumen des Kraftwerks braucht man mehr Partner, es ist eine grandiose Leistung, die dahinter steckt", meint Dieling. Daher beteiligten sich die Stadtwerke Nettetal nicht am Gemeinschaftskraftwerk GEKKO, in dem die RWE AG 26 kommunale Energieversorger für den Bau eines Steinkohlekraftwerks in Hamm zusammengefasst hat.

Regenerativen Projekten verschließt sich Dieling auch weiter nicht. Er habe großes Interesse an einer Beteiligung mit den Stadtwerken am geplanten Offshore-Windpark Bard I nördlich von Borkum. Das Feld soll einmal 1,6 Terawattstunden Strom im Jahr produzieren. Das entspricht einer Leistung, mit der rund 400 000 Mehrpersonenhaushalte versorgt werden können. Nach der Übernahme durch die Stadtwerke-Kooperation Südwest Strom Windpark wird Bard Offshore 1 der erste von Stadtwerken realisierte Offshore-Windpark sein. FRAGE DES TAGES

(RP)