Nettetal: Wieder richtig Gas geben

Nettetal: Wieder richtig Gas geben

Die Benzinpreise haben einen neuen Rekord erreicht. Erstmals seit Herbst 2008 kostet der Liter Super deutlich mehr als 1,40 Euro. Was die Verbraucher ärgert, sieht RP-Praktikantin Anita Holtermann gelassen: Sie fährt mit Autogas.

Auf der Autobahn muss Anita Holtermann nicht überlegen, ob sie lieber 120 oder 140 fährt. Sie ist weitgehend unabhängig von den schwankenden Benzinpreisen, die derzeit Autofahrern Kopfschmerzen bereiten. Wenn die 22-Jährige volltankt, dann kostet das selten mehr als 30 Euro – und reicht für 500 Kilometer. Der durchschnittliche Preis für Flüssiggas liegt in Deutschland bei 66 Cent pro Liter.

Erst investieren, dann sparen

Die junge Nettetalerin hat ihr Auto vor drei Jahren auf LPG umgerüstet. "Ich muss nur jedes halbe Jahr Benzin tanken und da habe ich Zeit genug, mir einen günstigen Moment auszusuchen", erklärt sie – die übrige Zeit tankt sie Autogas, der Preis dafür ist recht stabil. "Ich weiß nie so richtig, was ich sagen soll, wenn sich jeder um mich herum über die hohen Benzinpreise beschwert", sagt die Studentin. Ihr Vater hat ihr das Umrüsten zum Studienbeginn geschenkt, damit seine Tochter günstiger zwischen St. Augustin und Nettetal pendeln kann. Albert Holtermann ist KfZ-Mechanikermeister und hat damals einen Lehrgang besucht, um die neue Technik kennenzulernen und im Wagen seiner Tochter zu testen. "Ich bin super zufrieden", sagt sie – gut fürs Studentenportemonnaie sei es tatsächlich.

Das Tanken funktioniert etwas anders. Auf den Tankstutzen wird ein kleiner Aufsatz montiert. Über den Tankrüssel fließt das Gas in den Tank. "Ich muss dabei nur einen Knopf an der Tanksäule gedrückt halten. Schwierig ist das nicht", sagt Anita, die öfter ratlosen "Neulingen" an der Tankstelle hilft.

Wer günstig tanken will, muss allerdings erstmal investieren, weiß Anita: "Wer kein neues Auto kaufen will, muss seinen gebrauchten Wagen umrüsten lassen." Das kostet 2000 bis 4000 Euro. Autogasanlagen eignen sich für alle Otto-Motoren. Zudem verursachen Autogasanlagen 80 Prozent weniger Schadstoffausstoß als Benzin oder Diesel.

Nach dem Umrüsten ergeben sich für den Fahrer kaum Veränderungen. Nach dem Starten des Fahrzeugs wird bei einer Motortemperatur von mindestens 38 Grad Celsius automatisch auf Gasantrieb umgeschaltet. Über eine separate Tankanzeige im Fahrzeug kann auch problemlos während der Fahrt zwischen Benzin und Autogas gewechselt werden.

Am Auto befinden sich zwei Tanks – in den einen kommt Gas, in den anderen Benzin. Die zusätzlichen Gastanks werden entweder im Kofferraum oder an der Stelle des Reservereifens eingebaut. Somit fällt entweder ein Teil des Kofferraums oder der Ersatzreifen weg.

Die Gasanlage wird alle zwei Jahre bei der TÜV-Abnahme geprüft. Beim Preisvergleich muss berücksichtigt werden, dass der Literverbrauch beim Autogasantrieb um 10 bis 20 Prozent steigt: Den Mehrverbrauch verursacht die geringere Gasdichte. Die Anzahl an gasbetriebenen Wagen und entsprechender Tankstellen steigt – allein in Nettetal gibt es sechs Tankstellen, die Gas anbieten. FRAGE DES TAGES

(RP)