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Nettetal: Lebensqualität bis zuletzt erhalten

Nettetal : Lebensqualität bis zuletzt erhalten

Der 3. Hospiz- und Palliativtag zog viele interessierte Besucher an. Einige waren erstmals mit dem Thema konfrontiert.

Schmerzen lindern. Lebensfreude zurückgewinnen und damit eine größtmögliche Lebensqualität erhalten. Der Tod gehört zum Leben. Das sind einige Schlagwörter, um die sich der 3. Hospiz- und Palliativtag im Rathaus drehte. Nicht nur die Palliativstation des Städtischen Krankenhauses, auch ambulante Palliativpflegerische Dienste aus dem Kreis Viersen sowie die Hospizinitiative im Kreis Viersen, Pflegeheime und -dienste, das Hospiz Haus Franz in Dülken sowie andere Hospiz- und Selbsthilfegruppen stellten sich und ihre Arbeit vor.

Zu den wichtigen Aufgaben der Palliativpflege und -medizin gehört es, dem Patienten ein Höchstmaß an Schmerzfreiheit und Entspannung zu ermöglichen. Dabei kommen verschiedene Methoden zum Einsatz. "Es gibt viele Wege, Erleichterung zu verschaffen", erklärte Elsbeth Steinfort, ärztliche Leiterin der Palliativstation des Nettetaler Krankenhauses. Die Bandbreite reiche "von der Massage bis hin zur Aroma- oder Kunsttherapie. Alles, was hilft, versuchen wir zu nutzen", versicherte die Ärztin in ihrem Vortrag. Wer einen schwer kranken oder sterbenden Menschen begleite, müsse sich auf ihn einlassen, erläuterte Steinfort. Was es bedeutet, auf eine Palliativstation aufgenommen zu werden, erläuterte Oberärztin Elsbeth Steinfort. Dabei ging sie besonders auf Möglichkeiten ein, die zur Steigerung des Wohlbefindens der Patienten beitragen.

Anschließend diskutierten Dr. Michael Pauw, Chefarzt der Inneren Medizin, und Rechtsanwältin Pia Kohnen-Pauw den Themenkomplex Patientenverfügung und andere Vorsorgemöglichkeiten zur Selbstbestimmung. Literarisch ging es im letzten Beitrag zu, Thomas- Mann-Experte Hans K. Matussek nahm sich des Themas "Krankheit und Sterben" anhand des Werks von Thomas Mann an.

Das städtische Krankenhaus kann seit einigen Monaten mit Jolanta Hirsch auf eine ausgebildete Aroma-Expertin zurückgreifen. Sie entführte daran interessierte Besucher ins Reich der Düfte. Drei mögliche Entspannungsformen konnten die Besucher des Hospiz- und Palliativtages darüber hinaus selber kennenlernen und erfahren. So bot Seelsorgerin Raphaela Ernst beispielsweise einfühlsame Achtsamkeitsübungen an, und Brigitte Tuchborn zeigte die Arbeit der Kunst- und Poesietherapie.

Wie eine Tumorerkrankung den Stoffwechsel beeinflusst, erfuhren Besucher am Stand der Sebastian-Apotheke, wo Barbara Picksak-Christmann Informationen und Rezeptvorschläge zu "Lecker und gesund Essen" bereithielt. Gerade für Patienten der Palliativstation oder zur ambulanten Palliativ-Versorgung werde häufiger auch Trinknahrung als Ergänzung zur Ernährung eingesetzt, um gezielt erhöhten Kalorienbedarf oder Eiweißmangel auszugleichen. Sie werden zusätzlich zur Normalkost verabreicht und enthalten bereits in kleinen Mengen viel Energie oder hochwertiges Eiweiß, erfuhr Rita Peters von der Palliativ-Station. Sie ließ sich die ergänzende Nahrung erläutern.

Die meisten Besucher kamen mit sehr gezielten Fragen zu den Experten. Andere dagegen hatten sich noch nie mit den Begriffen Hospiz und Palliativ sowie deren Bedeutung auseinandergesetzt. Dazu hatte die Hospizinitiative im Kreis Viersen eine Umfrage vorbereitet. Der 25-jährige Daniel war erstmals mit dem Wort "Hospiz" mit dem Tod seiner Oma in Berührung gekommen. "Es war die erste Begegnung mit dem Tod überhaupt", gab er leise zu. Er zeigte sich, wie viele andere Gäste auch, vom Hospiz- und Palliativtag sehr beeindruckt.

(ivb)