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Nettetal: Die "Soko Ehrenamt" fahndet

Nettetal : Die "Soko Ehrenamt" fahndet

Aus seinem eigenen Zukunftsforum hat der Kreissportbund seinerzeit wichtige Konsequenzen gezogen: Von selbst werden sich Männer und Frauen immer seltener ehrenamtlich engagieren. Dem will der KSB gegensteuern.

Die "Soko Ehrenamt" des Kreissportbundes (KSB) klingt lustig, hat aber einen ernsten Hintergrund. Denn viele Sportvereine suchen händeringend Männer und Frauen, die im Vorstand mitarbeiten, als Betreuer, Übungsleiter und in anderer Funktion mitwirken. "Solche Leute findet man heute nicht mehr einfach so. Die Zeiten sind unwiderruflich vorbei", sagt Klaudia Schleuter aus dem Sportbüro im Viersener Kreishaus. Deswegen hat der KSB eine Arbeitsgruppe gebildet, die den Vereinen helfen will.

Sie ist das Ergebnis des Zukunftsforums des KSB. Ein wichtiger Bestandteil der perspektivisch ausgerichteten Arbeit ist das Ehrenamt. Ohne die Bereitschaft von Menschen, kostenfrei oder gegen ein nur geringes Entgelt für einen Verein zu arbeiten, hat der Sport keine Zukunft. In der Arbeitsgruppe fanden sich etwa 15 Männer und Frauen zusammen, die den Themenkomplex Ehrenamtlichkeit in seiner ganzen Vielschichtigkeit beleuchten. Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Denn die Arbeitsgruppe sieht ihre Aufgabe nicht darin, eine Art von Vermittlungsbüro zu sein, das beispielsweise bei Bedarf einem Verein einen Geschäftsführer mit dem erforderlichen Profil hervorzaubert.

"In der vier- bis sechsmal jährlich tagenden Runde sind Vereinsvertreter willkommen. Wir werben auf allen Ebenen für die Soko. Sprechen wir in Seminaren das Thema an, ist die Begeisterung groß. Aber seltsamerweise schaffen es die wenigsten, dann eine dieser Runden tatsächlich einmal zu besuchen", sagt Klaudia Schleuter bedauernd. Wer kommt und mitmacht, kann individuelle Anliegen ehrenamtlicher Arbeit einbringen. Hier sucht man ein Vorstandsmitglied, da sind Marketing-Talente gefragt, die mit Sponsoren umgehen können oder neue Mitglieder gewinnen. Und andere wiederum suchen Menschen mit bestimmten Kompetenzen.

"Ein Rezept wie beim Kuchenbacken, das man nur richtig anwenden muss, damit am Ende ein Kuchen oder aber ein Vorsitzender herauskommt, gibt es nicht", unterstreicht Klaudia Schleuter. Aber es gibt Hilfen. So lernen Funktionsträger Grundlagen der Kommunikation, sie finden eine kollegiale Beratung vor, können an Schulungen teilnehmen (oder sie vermitteln). "Wir arbeiten sukzessiv an Einzelproblemen", erläutert Schleuter die konkrete Arbeit der Soko.

Dazu gehört auch das Bemühen, die Wertigkeit ehrenamtlicher Arbeit angemessen einzuordnen. Es gehe weniger um eine Anerkennung durch Ehrenamtskarte, sondern um eine gesellschaftliche Aufwertung. Und es gibt einen anderen Faktor: "Wer als Kind sportliche Eltern hatte, die sich engagiert haben, hat einen anderen Zugang. Leider fehlt heute vielen diese Erfahrung", sagt sie.

FRAGE DES TAGES

(RP)