1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Wo sind die Generationen?

Nettetal : Wo sind die Generationen?

Die Stadt hat in Breyell ein Experiment gewagt. Sie baute einen Generationenspielplatz. Hier sollten sich Bürger jeden Alters tummeln können. Doch ist der Platz verwaist. Und manche Spielgeräte sind für Kinder ungeeignet.

Vor einem Jahr hat die Stadt mit viel Tamtam in Breyell den Generationenspielplatz eröffnet. Die Erwartungen waren groß: Generationenübergreifend und integrativ sollte er sein und einen öffentlichen Raum bieten, in dem sich alle Altersgruppen treffen, spielen und körperlich betätigen.

Neben einer Spielfläche, einem Klettergerüst und einem Bouleplatz, wurden vier wetterbeständige Geräte aus Edelstahl, wie ein Rücken-, Gleichgewichts- und Beintrainer mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden für Jung und Alt, aufgestellt.

Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Die Anlage ist weitgehend verwaist. Von einem Zusammenwirken der Generationen kann keine Rede sein. Hier ist nämlich so gut wie nie jemand anzutreffen. Selbst Kinder sieht man höchst selten. Die Bewohner des nahen Curanum-Pflegeheims sind ebenfalls kaum einmal dort.

Zur Einweihung hatte der Physiotherapeut und Diplom-Sportlehrer Klaus Schmitz, Leiter des städtischen Gesundheitszentrums Nette-Vital, zu einer kleinen Fitnessstunde eingeladen. Im Frühjahr sollten Einführungskurse stattfinden, das Kindern und Erwachsenen jeden Alters Fitness anbieten wollte. Die parkähnliche Anlage lockt aber niemanden an. Nur hin und wieder verirren sich ein paar Jugendliche auf den Generationenspielplatz und tollen ungestüm auf Geräten herum.

Claudia Jansen, die regelmäßig eine Nordic-Walking-Gruppe anführt, war ein paarmal mit "ihren" Frauen dort. "Aber die Geräte sind gerade für die älteren Menschen zu schwer zu bewegen. Leider beginnen sie langsam an zu rosten", sagt sie enttäuscht. Auch Claudia Pohl, Leiterin des katholischen Kindergartens, ist ziemlich verärgert.

"Wer plant so einen Spielplatz, ohne mit den Praktikern zu sprechen, die tagtäglich Kinder betreuen?", fragt sie sich. Zum Fototermin mit der RP ist sie extra mit einigen Kindern aus ihrer Einrichtung zum Spielplatz gekommen.

Lea klettert das Klettergerüst hoch, um oben festzustellen, dass sie entweder den schrägen Holz-Abgang oder an einer Stange runter rutschen muss, um nach unten zu kommen. Für beide Varianten fehlt der Dreijährigen der Mut. "Für kleinere Kinder ist hier nichts zum Spielen, es fehlt an einer Rutschbahn und vor allen Dingen vermissen wir den Sandkasten", sagt Claudia Pohl. Der Breyeller Verkehrsverein versprach kurz nach der Eröffnung des Generationenspielplatzes Abhilfe und stellte eine Spende für eine Rutschbahn in Aussicht "Doch getan hat sich nach einem Jahr nichts", stellt Claudia Pohl fest. Eine junge Mutter schaut mit ihrem zweijährigen Kind einmal kurz vorbei. Sie geht aber bereits nach einigen wenigen Minuten wieder weg. "Hier ist ja gar kein Sandkasten", stellt auch sie ernüchtert fest.

Der Platz, der beispielsweise für Boulespielen genutzt werden könnte, wirkt verlassen. Das aufgelegte Granulat hat sich im Regen zu Matsch verwandelt. Es sprießt Unkraut hervor. Auch die aufgeschütteten Hügel, auf denen Blumen blühen sollten, wirken verwildert. Sie dienen höchstens Mountainbike-Fahrern als Probestrecke.

Das einzig Gute am Generationenspielplatz sei, dass die Zugänge abends abgeschlossen werden. Damit bleibe es abends und auch in der Nacht ruhig, sagen die Anwohner. FRAGE DES TAGES

(ivb)